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Hintergrundinterview Fahrtreppen im Messe-Betrieb: „Hand drauf“ – die Sicherheit der Fahrgäste beginnt auf dem Handlauf

14.07.2022

Man kennt das, wenn man zum Wechseln des Stockwerks oder fürs Überbrücken langer Entfernungen in öffentlichen Gebäuden die Fahrtreppen und Fahrsteige nutzt: Er läuft einfach mit. Der Handlauf. Stütze für die Reisenden. Halt der Unsicheren und Ungeübten… Falsch: Das sagt Olaf Kühl, Bereichsleiter Facility Management der Messe Frankfurt.

Den Verantwortlichen für die Gebäudetechnik und Infrastruktur auf dem Frankfurter Messegelände treffen wir am Rande der Nachrüstungsarbeiten an den Handläufen von Fahrtreppen im Congress Center des Frankfurter Messeveranstalters.

Schmal, schwarz, stabil. Der Handlauf der Fahrtreppe ist also kein bloßer „Mitläufer“?

Olaf Kühl: Ja, auf jeden Fall: Er ist sogar meistens ein „Vorläufer“, aber immer ist er integraler Bestandteil von Fahrtreppen und Fahrsteigen und damit auch der DIN EN 115. Die EU-Norm definiert die „Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Fahrtreppen und Fahrsteigen".

Und was den „Vorlauf“ angeht: Der wird dem Handlauf häufig gewährt. Denn, wie in der Euronorm definiert, müssen Handläufe von Fahrtreppen und Fahrsteigen zwar die gleiche Laufgeschwindigkeit haben wie die zugehörigen, aber separat angetriebenen Stufen oder Bänder. Eine Voreilung der Handläufe gegenüber der Laufgeschwindigkeit der Stufen bzw. Bänder ist jedoch um bis zu zwei Prozent zulässig. Das dient der Fahrgastsicherheit. Und die hat Priorität: Niemals dürfte der Handlauf eine geringere Geschwindigkeit haben als die Stufen – dies könnte zu gefährlichen Stürzen der Nutzer*innen auf Stufen und Bändern führen.

Das ist sicher wichtig für Ungeübte oder unsichere Passagiere?

Olaf Kühl: Ganz und gar nicht. Für die Nutzung von Fahrtreppen und Fahrsteigen gilt, und das leite ich jetzt etwas prosaisch aus den allgemeinen Vorschriften ab: Hand drauf, denn die Sicherheit beginnt am Handlauf!

Es kann immer zu unvorhergesehenen Fahrtunterbrechungen kommen, und die abrupte Bremswirkung kann auch den geübtesten Fahrgast aus dem Gleichgewicht bringen. Wer da nicht den Halt des Handlaufs hat, kann sich und andere Fahrgäste schnell auch schwer verletzen. Deshalb sind auch große Gepäckstücke, Trolleys; Rollatoren, Rollstühle oder Kinderwagen im Aufzug generell besser unterwegs.

Außerdem ist im Rahmen der Maximalgeschwindigkeiten einiges an Varianz möglich, was von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängt, etwa von Förder- und Sicherheitsvorschrif­ten oder auch von kultureller Gewohnheit. Sie werden feststellen, dass etwa Fahrtreppen in Metropolen und in Bahnhöfen oder Flughäfen mit sehr hohen Passagier­aufkommen ein höheres Tempo fahren. Dabei haben die Fahrtreppen in den Metro­strationen Osteuropas legendäre Rekordmaße: Die in Prag sollen die schnellsten sein – mit 0,9 m/sec. Unsere Fahrbänder und -treppen auf dem Frankfurter Messegelände fahren da im Schnitt komfortable, aber dennoch zeitsparende 0,5 m/sec. Denn immerhin verbinden Sie 12 große Messehallen auf einem Gelände von insgesamt 592.000 qm Grundfläche.

Am laufenden Band: Olaf Kühl, Bereichsleiter Facility Management der Messe Frankfurt. (Quelle: Messe Frankfurt GmbH)
Am laufenden Band: Olaf Kühl, Bereichsleiter Facility Management der Messe Frankfurt. (Quelle: Messe Frankfurt GmbH)

Das klingt nach einem beachtlichen Förderwesen…

Olaf Kühl: Das ist in der Tat sowohl im Vergleich mit internationalen Flughäfen wie auch anderen Messegeländen in der Welt durchaus erwähnenswert. Und wir machen diese Ausstellungsfläche, die mehr als 80 Fußballfeldern entspricht, mit derzeit insgesamt 317 Fahrtreppen und -steigen sowie 184 Aufzügen zugänglich. Und das für rund zwei Millionen Besucher*innen jährlich.

Da wird die Sicherheit sehr groß geschrieben…

Olaf Kühl: Ja. Die Sicherheit unserer Gäste geht vor allem. Doch dieser Anspruch birgt viele Facetten. Dazu zählen vor allem Verlässlichkeit, Qualität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – der Produkte wie auch des Betriebs und der Wartung. Wir betrachten das, wie auch insgesamt unseren Gebäudebestand und die Infrastruktur, in ihrem tech­nischen und architektonischen Lifecycle. Und der Lebenszyklus einer Fahrtreppen­anlage kann mehrere Jahrzehnte umfassen.

Damit wären wir schon beim wichtigen Aspekt: Nachhaltigkeit…

Olaf Kühl: Ja. Vier Aspekte tragen hier zur Nachhaltigkeit bei. Und die sind ohne die gute Kooperation mit starken Partnern auf Produkt- wie auch auf Wartungsseite undenkbar:

Da sind zunächst die qualitativ hochwertige Substanz und Technologie: Wir betreiben Fahrtreppen, die allein aufgrund ihres leichteren Materials schon weniger Energie verbrauchen. Ein weiteres Leistungsmerkmal ist der energiesparende Betrieb von Anlagen, die nur bei Benutzung anfahren (Stop-and-go-Betrieb) bzw. bei Benutzung vom Schleichfahrt-Modus auf volles Betriebstempo (Nenngeschwindigkeit) beschleunigen. Diese sensorgesteuerten Stand-by-Geschwindigkeitsbetriebssysteme helfen Energie zu sparen und tragen auch zur Langlebigkeit der Anlagen insgesamt bei.

Ein weiteres Element ist die kontinuierliche Wartung und Weiterentwicklung: Auch hier können wir uns auf die Hersteller- und Wartungsfirmen der Branche verlassen – dazu gehören die großen globalen Konzerne der Aufzug- und Fahrtreppenindustrie ebenso wie traditionsreiche Mittelstandsbetriebe und junge Start-ups.

Die dritte Säule der Nachhaltigkeit ist der Anteil an regenerativ produzierter Energie am CO2-Fußabdruck der Messe Frankfurt: Derzeit betreiben wir drei Solaranlagen auf unseren Messehallen, die jährlich mehr als zwei Gigawattstunden (GWh) Sonnenstrom produzieren. Und das Messegelände wird zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt. Damit sparen wir jährlich rund 19.000 Tonnen CO2 ein.

Und das alles sind im Prinzip Effekte des Kernaspekts. Denn der Trumpf an Nachhaltig­­keit bei der Messe Frankfurt, das ist unser Mitarbeiterstamm in Bau- und Facility Manage­ment: 44 Experten aller gebäudetechnischen und baulichen Gewerke verantworten die Planung, Entwicklung und den Betrieb unserer Anlagen hier auf dem Messegelände. Sie haben auch unsere jüngste Testanwendung gemanagt. Damit schließt sich der Kreis gewissermaßen. Am Handlauf und dessen Bedeutung für die Fahrgastsicherheit.

Noch sicherer?

Olaf Kühl: Ja, wir optimieren unsere Anlagen mit den Partnern aus der Industrie ständig. Der eingangs schon betonten sicheren Benutzung der Fahrtreppe, die voraussetzt, dass sich die Fahrgäste zusätzlich am Handlauf festhalten, stehen häufig Vorbehalte entgegen: Für viele Fahrgäste stehen gerade auch hier die Hygiene der Oberflächen und das eigene Hygieneempfinden im Vordergrund. Deshalb setzen wir zum Neustart vieler Veranstal­tungen seit dem Frühjahr 2022 im Congress Center auf eine Innovation – die automa­tische Oberflächen-Desinfektion der Handläufe unserer Fahrtreppen mit UV-C-Licht.

Unsere Wahl fiel dabei auf die hochwertige Lösung eines noch jungen Unternehmens aus Köln, das sich auf Hygienelösungen im öffentlichen Raum spezialisiert hat und erfolgreiche Projekte im In- und Ausland umgesetzt hat: Die Escalite-Module von UVIS UV-Innovative Solutions desinfizieren die Handläufe auf Basis von ultraviolettem UV-C-Licht dauerhaft. Die Installation auf dem Messe­gelände ist für beide Seiten eine Neuheit – der erste Einsatz bei einem Großveran­stalter. Wir sind auf die Resonanz gespannt! Ich persönlich kann sagen: Mit entkeimten Oberflächen ergreife ich den Handlauf wieder viel instinktiver und, ja: handfester.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kühl!


Presseinformationen & Bildmaterial:

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