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Das Wichtigste in Kürze
- Nach Hurrikan Sandy setzt New York mit dem Big-U-Projekt auf klimaresiliente Stadtentwicklung am Wasser.
- Der neue East River Park verbindet Hochwasserschutz, unterirdische Infrastruktur und öffentlichen Freiraum.
- Das Projekt ist Teil des East Side Coastal Resiliency-Programms und soll Lower Manhattan besser vor Sturmfluten schützen.
- Sportflächen, Grünräume und Promenaden werten die Uferzone auf und verbessern die Aufenthaltsqualität für die Nachbarschaft.
- Die Umsetzung zeigt, wie Architektur, Landschaftsplanung und urbane Resilienz zu einem integrierten Stadtraum zusammengeführt werden können.
Der Memorial Day, der auf den letzten Montag im Mai fällt, gilt in den Vereinigten Staaten als inoffizieller Startschuss für den Sommer. 2025 eröffnete die Stadt New York am nationalen Gedenktag – also »gerade rechtzeitig zum Sommer«, wie es in einer Pressemeldung hieß – den ersten Abschnitt des neu gestalteten East River Parks, einer fast 19 Hektar großen Grünfläche am Wasser mit Basketball- und Tennisplätzen, Orten für Picknicks, Rasenflächen und einer Promenade für die Bewohnenden der Lower East Side von Manhattan. Die Eröffnung lockte die New Yorkerinnen und New Yorker in einen Teil des Parks, der fast vier Jahre lang geschlossen war. In dieser Zeit wurde die 82 Jahre alte Anlage abgerissen, eine neue unterirdische Infrastruktur errichtet und 2.4 bis 3 Meter höher als zuvor ein neuer Park angelegt. Dieser ist Teil des größeren East Side Coastal Resiliency-Projekts, kurz ESCR, das wiederum eines von einem halben Dutzend Elementen des sogenannten »Big U« ist – der architektonischen Antwort auf die Auswirkungen des Hurrikans Sandy auf Lower Manhattan.
Zerstörerische Naturgewalten
Am 29. Oktober 2012 – eine Woche, nachdem er sich in der Karibik gebildet hatte, über Kuba hinweggezogen war und vor der Ostküste der USA auf dem Atlantik Kurs nach Norden genommen hatte – bog Hurrikan Sandy nach links ab und traf in New Jersey, 161 Kilometer südlich von New York City, auf Land. Die Menschen in der Millionenstadt fühlten sich nach den relativ harmlosen Auswirkungen des Hurrikans Irene ein Jahr zuvor sicher – doch Sandy war nicht zu unterschätzen. Der Hurrikan drückte eine Sturmflut von fast drei Metern über dem normalen Gezeitenstand nach Lower Manhattan (doppelt so hoch wie bei Irene), überschwemmte U-Bahn- und Autobahntunnel, verursachte Stromausfälle und führte zur Schließung von Krankenhäusern. Die Auswirkungen des Hurrikans auf Lower Manhattan standen zwar im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit, doch der Sturm verschonte auch die anderen Bezirke nicht: Die Küsten von New Jersey, Connecticut und Long Island waren genauso betroffen. Die Schäden durch Hurrikan Sandy in den USA wurden auf insgesamt 65 Milliarden Dollar geschätzt, wobei etwa zwei Drittel davon allein auf New York entfielen.
Mehr als Schutzbauten: »Rebuild by Design«
Als Sandy auf New York City traf, saßen Bjarke Ingels von BIG und Matthijs Bouw von ONE in einer Bar in Amsterdam und sahen im Fernsehen Bilder von den Folgen des Sturms. Als sie den Wiederaufbau diskutierten, sagten sie zueinander: »Hier soll Design eine Rolle spielen«. Diese Idee fand ihren praktischen Ausdruck in »Rebuild by Design«, einem Architekturwettbewerb, der im Juni 2013 von Präsident Barack Obamas Hurricane Sandy Rebuilding Task Force ins Leben gerufen wurde. Der mit 1 Milliarde Dollar dotierte Wettbewerb forderte die Teilnehmenden auf, Alternativen zur üblichen Vorgehensweise anzubieten, wenn es darum geht, das zu reparieren oder wiederaufzubauen, was durch eine Naturkatastrophe zerstört worden war. BIG und ONE ergriffen die Gelegenheit und bildeten ein Team. Doch die enorme Ausdehnung des Planungsgebiets bereitete den Architekten Schwierigkeiten: Worauf sollten sie sich konzentrieren? Die Einbindung des Landschaftsarchitekturbüros Starr Whitehouse Landscape Architects and Planners half: Da das im Financial District ansässige Büro bereits an Bürgermeister Bloombergs »Strategic Initiative for Resilience and Recovery« beteiligt war, überzeugte Laura Starr die Architekten, sich auf Lower Manhattan zu konzentrieren und sich vorzustellen, wie die Uferpromenade auch in Bezug auf das Erlebnis verbessert werden könnte.
Für den Wettbewerb wählte das Team einen 16 Kilometer langen Abschnitt der Uferpromenade aus, der sich um das untere Drittel von Manhattan zieht. Kurz nachdem sie den Standort festgelegt hatten, schafften sie den Sprung in die engere Auswahl – neben neun weiteren multidisziplinären Teams. Der Wettbewerb erforderte monatelange Recherchen und Treffen mit Anwohnerinnen und Anwohnern, um zu erfahren, was sich die direkt von Sandy betroffenen New Yorker wünschen. Jedes Mitglied des Kernteams brachte in dieser frühen Phase des Prozesses etwas Wertvolles ein: Starr Whitehouses war bereits mit den wichtigsten Akteuren des Viertels vertraut. ONE entwickelten ein mitreißendes Storytelling, um die Bevölkerung einzubinden. BIG gestalteten Visualisierungen, die den Entwurf einem breiten Publikum verständlich machten. Die Beiträge der einzelnen Büros waren nicht isoliert, sondern miteinander verflochten, was die Komplexität des Vorhabens widerspiegelt.
Das Projekt, das den Namen Big U erhielt und eindrucksvoll mit Luftaufnahmen von Lower Manhattan illustriert wurde, gewann im Juni 2014 den Wettbewerb – zusammen mit fünf weiteren Siegerprojekten, die sich von New Jersey bis Connecticut erstreckten.
Das Big U-Projekt, 2026 (Foto: © ONE)
Bereits gut angenommen: Der East River Park
Der Wettbewerb »Rebuild by Design« stellte lokalen Behörden staatliche Mittel zur Verfügung, um Bauaufträge auf der Grundlage der siegreichen Entwürfe auszuführen. Aufgrund der Größe wurde Big U in sechs Teilprojekte aufgeteilt, für die jeweils separate Ausschreibungen durchgeführt wurden. BIG, ONE und Starr Whitehouse schlossen sich zu einem Team für das ESCR-Projekt zusammen, ein 1.45 Milliarden Dollar teures Vorhaben zur Befestigung eines 3.86 Kilometer langen Abschnitts der East River-Uferpromenade mit Schwerpunkt auf den East River Park. Was in ihren ersten Entwürfen als wellige Landschaft begann, die Teile des FDR-Drive bedeckte und den neu gestalteten East River Park nahtlos mit den Wohngebieten westlich der Parkstraße verband, entwickelte sich zu einer sanft geschwungenen Landschaft (in späteren Phasen von MNLA entworfen), die erhöht über der Überschwemmungsfläche liegt und über Fußgängerbrücken, die über den FDR-Drive führen, mit der Nachbarschaft verbunden ist.
Als ich den Park an einem warmen Frühlingsnachmittag zehn Monate nach seiner Eröffnung am Memorial Day besuchte, gab es keine äußeren Anzeichen für anhaltende Unzufriedenheit über die Zerstörung des alten Parks oder über die durch behördliche Vorgaben bedingte Änderung der Gestaltungsrichtung oder gar wegen der Verzögerungen des Baus. Die Menschen spielten Basketball und Tennis, sonnten sich auf den Rasenflächen, joggten entlang der Promenade und genossen die Lage am Wasser. Wahrscheinlich waren sich nur wenige von ihnen der unterirdischen Hochwasserschutzmauer, der Gezeitenschleusenkammer und anderer Infrastruktur unter ihren Füßen bewusst, die dazu dient, sie vor den Auswirkungen künftiger Sturmfluten zu schützen.
Die Zukunft der Big U-Vision
Der East River Park und andere Abschnitte des ESCR sind nicht die einzigen Teile von Big U, die von der Vision zur Realität geworden sind. Der Wagner Park, Teil des größeren Battery Park City Resilience-Projekts, wurde im vergangenen Jahr mit einer terrassierten Landschaftsgestaltung (AECOM LAUD) und einem neuen Pavillon (Thomas Phifer and Partners) eröffnet. Der Bau des Brooklyn Bridge-Montgomery Coastal Resiliency-Projekts, das sich unmittelbar südlich des East River Parks befindet, ist im Gange. Andere Teile wie der von ONE entwickelte Financial District-Seaport Climate Resilience Plan erfordern eine Finanzierung durch den Staat und warten daher auf eine künftige US-Administration unter einem anderen Präsidenten, die klimapolitischen Initiativen gegenüber aufgeschlossener ist. Ob der nächste Sturm jedoch so lange ausbleiben wird, bleibt abzuwarten.