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Rumäniens Gebäudesektor im Energiewandel

25.06.2026

Rumäniens Gebäudesektor entwickelt sich vom Energieverbraucher zum aktiven Teil des Stromsystems. EPBD, Photovoltaik, Prosumer-Modelle und Speicher verändern, wie Gebäude geplant, saniert, betrieben und finanziert werden.

Lesedauer: 7 Minuten

  • Die EPBD gibt den europäischen Rahmen für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor vor und zielt langfristig auf die vollständige Dekarbonisierung bis 2050. 
  • Rumänien hat die EU-Vorgaben früh in nationales Recht übertragen und Energieausweise, Auditoren, Bewertungsmethoden und Sanierungsprozesse etabliert. 
  • Ein großer Teil des rumänischen Gebäudebestands ist älter und energetisch schwach, wodurch Sanierung, Dämmung und moderne Heizsysteme zentrale Hebel bleiben. 
  • Photovoltaik und Prosumer-Modelle haben sich stark entwickelt; 2026 zählt Rumänien fast 314.000 Prosumer mit rund 3.400 MWp installierter Leistung. 
  • Ohne Speicher und modernisierte Niederspannungsnetze kann Solarstrom nicht vollständig genutzt werden. Gebäude werden dadurch Teil eines Energie-Ökosystems aus Verbrauchern, PV-Anlagen, Batterien, Wechselrichtern und Netz.

Europäischer Rechtsrahmen

Auf EU-Ebene entfallen 35 bis 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Gebäude. Um diesen Verbrauch zu senken, verabschiedete die EU im Jahr 2002 die EPBD – Energy Performance of Buildings Directive 2002/91/EC, im Folgenden EPBD genannt. Seitdem wurde die Richtlinie mehrfach überarbeitet; aktuell gilt die Fassung EU/2024/1275. Ziel der Novellierungen war es, die energetische Qualität von Gebäuden schrittweise zu verbessern.

Der allgemeine Rahmen der EPBD umfasst:

  • die Klassifizierung von Gebäuden nach ihrem Energieverbrauch
  • maximal zulässige Verbrauchswerte für bestimmte Gebäudekategorien zu festgelegten Zeitpunkten in den kommenden Jahren
  • die Verfahren und Maßnahmen, die auf EU-Ebene umgesetzt werden sollen, um die Ziele der EPBD zu erreichen

In den fast 25 Jahren seit der ersten Fassung der EPBD hat sich der Gebäudebestand in der EU deutlich verändert. Die Senkung des Energieverbrauchs ist zu einem zentralen Anliegen von Eigentümern, Architekten und Bauunternehmen geworden. Das übergeordnete Ziel der EPBD ist die vollständige Dekarbonisierung des Gebäudesektors bis 2050.

Die Situation in Rumänien

Rumänien setzte die erste Fassung der EPBD mit dem Gesetz Nr. 372 vom 13. Dezember 2005 um – noch vor dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 2006. Auch spätere Fassungen der Richtlinie wurden zügig in nationales Recht übertragen. Dabei wurden mehrere zentrale Schritte vollzogen:

  • Die Methodik zur Berechnung der Energieeffizienz von Gebäuden (MCE) wurde verabschiedet.
  • Mit dem Energieauditor für Gebäude wurde ein neues Berufsbild geschaffen.
  • Für Energieaudits wurden Softwareanwendungen entwickelt.
  • Energieaudits wurden bei Gebäudetransaktionen verpflichtend; diese sind nach Ausstellung des Energieausweises (CPE) möglich.
  • Berufsverbände für Energieaudits im Gebäudesektor wurden gegründet und unterstützen Schulungsangebote in diesem Bereich.
  • Die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurde bewertet, und für verschiedene Gebäudekategorien wurden Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz entwickelt und vorgeschlagen.
  • Der Prozess zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurde angestoßen.

Der Wohngebäudesektor in Rumänien

Im Jahr 2023 umfasste der rumänische Wohngebäudebestand rund 9,7 Millionen einzelne Wohnungen und Wohnhäuser – entweder in Gebäuden mit Wohnungseigentümergemeinschaften oder in Einzelgebäuden. Die meisten dieser Wohngebäude wurden vor dem Jahr 2000 errichtet und wiesen eine niedrige energetische Qualität auf. Ihr Energieverbrauch lag in der Regel bei über 200 kWh pro Jahr, womit sie in die unteren Energieeffizienzklassen C bis G fielen.

Vor diesem Hintergrund und angesichts hoher Energiepreise begannen Eigentümer älterer Gebäude, in eine bessere Energieeffizienz zu investieren. Neubauten wurden bereits nach den neuen energetischen Standards errichtet.

Öffentliche Gebäude in Rumänien

Privat errichtete öffentliche Gebäude der vergangenen Jahre – etwa Bürogebäude und Gewerbeflächen – sind in Rumänien in der Regel energieeffizient. Sie wurden nach EU-Standards gebaut, um die durch den Energieverbrauch entstehenden Betriebskosten möglichst gering zu halten.

Die große Mehrheit der Gebäude im Eigentum des rumänischen Staates, darunter Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude, stammt hingegen aus der Zeit vor 1990 und muss umfassend energetisch saniert werden. Dieser Prozess hat begonnen, doch es gibt weiterhin zahlreiche Gebäude, bei denen Renovierung und energetische Sanierung noch ausstehen.

Konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden

Zu den eingeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gehörten eine bessere Wärmedämmung der Gebäudehülle – also von Wänden, Decken, Böden, Türen und Fenstern –, der breite Übergang zu effizienterer Wärmeerzeugung durch hocheffiziente Heizkraftanlagen, energiesparende LED-Beleuchtung, die Ausstattung von Räumen mit Präsenz- und Belegungssensoren sowie weitere Maßnahmen. Das gemäßigt-kontinentale Klima Rumäniens mit kalten Wintern und sehr heißen Sommern machte es vor allem erforderlich, Energieverluste über die Gebäudehülle zu reduzieren. Zugleich mussten Heizsysteme modernisiert werden, die auf veralteten und ineffizienten Lösungen zur Wärmeerzeugung beruhten.

Zentrale Heizsysteme mit hohen Verlusten in den Transport- und Verteilnetzen wurden geschlossen und durch lokale Heizlösungen auf Basis effizienterer Gasanlagen ersetzt.

Diese passiven Energieeffizienzmaßnahmen reichten jedoch nicht aus, um Gebäude in die hohen Energieeffizienzklassen A und A+ einzuordnen. Deshalb wurden zusätzlich aktive Lösungen zur lokalen Energieerzeugung notwendig. Die Einführung des NZEB-Konzepts (Near Zero Energy Building) im Jahr 2010 beschleunigte diesen Prozess weiter.

Prosumer kommen auf

Ohne lokale Energieerzeugung können Gebäude nach Maßgabe der EPBD nicht als effizient gelten. Um in höhere Energieeffizienzklassen eingestuft zu werden und den NZEB-Standard zu erreichen, mussten Gebäude daher mit eigenen Energieerzeugungsquellen ausgestattet werden – meist mit Photovoltaikmodulen.

Der Markt für Photovoltaikmodule hat sich in Rumänien im vergangenen Jahrzehnt rasant entwickelt. Auf den Dächern von Zehntausenden Gebäuden wurden Photovoltaikanlagen installiert. Die dadurch erzeugte Energie verbessert die Energiebilanz dieser Gebäude: Sie wird vor Ort verbraucht oder, sofern Batteriespeicher vorhanden sind, gespeichert; Überschüsse werden in das Stromnetz eingespeist. Das Netz wird nur dann genutzt, wenn Module und Batterien nicht genügend Energie liefern, um den Bedarf des Gebäudes zu decken. So entstand eine neue Kategorie von Gebäudeeigentümern: Prosumer.

Der rumänische Staat greift in den Markt für Photovoltaikanlagen an Gebäuden ein

Der rumänische Staat unterstützte Prosumer mit Förderprogrammen. Gefördert wurden Photovoltaikanlagen mit einer maximalen Leistung von 3 kWp (Kilowatt Peak). Prosumer, die Anlagen mit mehr als 3 kWp installierten, erhielten die Förderung für 3 kWp; die zusätzliche Leistung finanzierten sie aus eigenen Mitteln. Überschüssig erzeugte Energie konnte in das Netz eingespeist und vom Verteilnetzbetreiber vergütet oder mit der Energie verrechnet werden, die in Zeiten verbraucht wurde, in denen die Photovoltaikmodule keinen Strom produzierten.

Die Zahl der Prosumer stieg schnell. Die maximal zulässige installierte Leistung eines Prosumer-Systems wurde schrittweise auf 400 kWp erhöht. Damit wurden auch größere Gebäude und kleinere industrielle Anwendungen einbezogen.

Photovoltaikanlagen wurden in der Regel auf Gebäudedächern installiert, teilweise aber auch auf separaten Metallkonstruktionen außerhalb von Gebäuden.

Batteriespeicher waren von Beginn an leider nicht Bestandteil der staatlichen Förderprogramme. Das führte später zu Schwierigkeiten.

Den neuesten Daten aus dem Jahr 2026 zufolge gibt es in Rumänien fast 314.000 Prosumer mit einer maximal installierten Leistung von 3.400 MWp. Im Jahr 2025 erzeugten sie insgesamt mehr als 5 TWh – einschließlich des Eigenverbrauchs.

Das Programm GREEN HOUSE PHOTOVOLTAIC förderte seit 2010 die Installation von Solarmodulen für Prosumer mit fast 3 Milliarden Lei. Im Jahr 2026 wurde das Programm ausgesetzt.

Der Ausbau der Solarstromerzeugung wurde auch durch die günstigen klimatischen und geografischen Bedingungen Rumäniens begünstigt. Das Land liegt ungefähr zwischen 44°N und 48°N nördlicher Breite. Im Süden des Landes kann ein Photovoltaiksystem mit einer Leistung von 1 kWp – bei optimalem Einstrahlwinkel – jährlich nahezu 1.400 kWh Energie erzeugen. Der durchschnittliche Verfügbarkeitskoeffizient von Photovoltaikmodulen liegt in Rumänien bei über zehn Prozent, wie uns ein Vertreter der APCE (Association of Prosumers and Energy Communities in Romania) kürzlich mitteilte.

Karte zum Photovoltaik-Potenzial in Rumänien
[Daten/Informationen/Karte] entnommen aus „Global Solar Atlas 2.0“, einer kostenfreien webbasierten Anwendung, die von Solargis s.r.o. im Auftrag der Weltbankgruppe entwickelt und betrieben wird. Die Anwendung nutzt Solargis-Daten und wurde mit Mitteln des Energy Sector Management Assistance Program (ESMAP) finanziert. Weitere Informationen: https://globalsolaratlas.info

[Daten/Informationen/Karte] entnommen aus „Global Solar Atlas 2.0“, einer kostenfreien webbasierten Anwendung, die von Solargis s.r.o. im Auftrag der Weltbankgruppe entwickelt und betrieben wird. Die Anwendung nutzt Solargis-Daten und wurde mit Mitteln des Energy Sector Management Assistance Program (ESMAP) finanziert. Weitere Informationen: https://globalsolaratlas.info

Hinweis: Es ist zu beachten, dass der rumänische Staat die EU-ETS-Förderregelung über grüne Zertifikate bereits auf Photovoltaikparks mit Kapazitäten von über 10 MWp angewendet hatte. Diese großen Erzeugungskapazitäten, die gemäß der Definition des nationalen Netzbetreibers disponibel sind, haben eine besondere Stellung. Sie sind in das Netz integriert und weisen eine erhebliche tägliche Stromerzeugung auf.

Photovoltaikmodule, Wärmepumpen und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge

Photovoltaikmodule erzeugen Strom; Wärmepumpen und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge verbrauchen ihn. Die zentrale Herausforderung besteht jedoch darin, Erzeugung und Verbrauch zeitlich miteinander in Einklang zu bringen. Wird der Strom nicht in dem Moment verbraucht, in dem er erzeugt wird, muss er gespeichert werden – andernfalls geht er verloren. Die anfängliche Begeisterung wurde daher durch die Realität gebremst: Mittags werden große Mengen Solarstrom erzeugt, von denen ein Teil unmittelbar verbraucht wird. Ohne Speicher trägt die Solarenergie der Prosumer bei Lastspitzen jedoch kaum zur Versorgung bei, sodass sie dann Strom aus dem Netz beziehen müssen.

Hinzu kommt, dass die Niederspannungsnetze, in die Prosumer ihren Strom einspeisen, diese Energie nicht immer aufnehmen können. In solchen Fällen werden Prosumer vom Netz getrennt, und ihre Erzeugung geht verloren.

Optimal wäre es, wenn die von Prosumern erzeugte Energie von ihnen selbst oder von ihren Nachbarn im selben lokalen Niederspannungsnetz verbraucht oder gegebenenfalls lokal gespeichert würde. Die nicht modernisierten Niederspannungsnetze in Rumänien können jedoch nur eine begrenzte Menge an Energie von Prosumern aufnehmen.

Ohne Speicher kann Solarenergie nicht vollständig genutzt werden

Die Speicherung beim Prosumer ist die Lösung für überschüssig erzeugte Energie. Viele Prosumer, die Batteriespeicher installieren möchten, müssen allerdings zusätzlich in den Austausch bereits vorhandener Technik investieren, etwa in hybride Wechselrichter. Die rumänische Regierung begann erst spät damit, Batteriespeicher zu fördern.

Erfreulicherweise sind die Preise für Energiespeicherbatterien inzwischen deutlich gesunken – ebenso wie die Preise für Photovoltaikmodule.

Das Gebäude des Prosumers ist damit Teil eines Ökosystems geworden, das aus mehreren Elementen besteht:

  • dem Gebäude mit seinen Verbrauchern, etwa Wärmepumpe, Ladepunkt für Elektrofahrzeuge und weiteren Verbrauchern
  • Photovoltaikmodulen
  • Speicherbatterie(n)
  • dem nationalen Stromnetz
  • dem Wechselrichter, der das gesamte System steuert

Diese Elemente des Prosumer-Ökosystems wirken nach komplexen Regeln zusammen. Sie berücksichtigen die Energieerzeugung der Photovoltaikmodule, den aktuellen Verbrauchsbedarf, den Ladezustand der Speicherbatterien sowie die Fähigkeit des lokalen Stromnetzes, Energie vom Prosumer aufzunehmen.

Schema eines Energiesystems mit Hybridwechselrichter

Gebäude-Energie-Ökosystem

Typische Situationen bei einem Prosumer:

  • Er erzeugt Energie, die er vollständig selbst verbraucht.
  • Er erzeugt mehr Energie, als aktuell benötigt wird; der Überschuss wird in Batterien gespeichert.
  • Er erzeugt mehr Energie, als aktuell benötigt wird; die Batterie ist vollständig geladen, und der Überschuss wird in das Netz eingespeist, sofern dieses nicht überlastet ist.
  • Er nutzt gespeicherte Energie, wenn die eigene Erzeugung den Bedarf nicht deckt.
  • Er bezieht zusätzlich Strom aus dem Netz, wenn lokale Erzeugung und Batterie nicht ausreichen.

Das zentrale Problem: die Investitionskosten für die Energieeffizienz von Gebäuden

Die Kosten, die für ein energieeffizientes Gebäude mit Photovoltaikmodulen und Speicherbatterien erforderlich sind, bleiben das wichtigste Problem. Gebäudeeigentümer treffen ihre Entscheidungen auf Grundlage von Analysen zur Amortisationszeit der Investition in Energieeffizienz, zum ROI (Return on Investment) und zur TCO (Total Cost of Ownership) der Energieeffizienz des Gebäudes. Dabei berücksichtigen sie insbesondere folgende Kosten:

  • Energiekosten beim Kauf und Verkauf
  • Kosten für die Installation einer Photovoltaikanlage mit oder ohne Speicherbatterien
  • Kosten für die energetische Sanierung des Gebäudes
  • staatliche Förderung

Die Entwicklung dieser Kosten wird den Gebäudesektor in Rumänien in den kommenden Jahren ebenso prägen wie die einschlägige Gesetzgebung. Das Gebäude ist heute Teil eines Ökosystems – und alle Elemente dieses Ökosystems müssen berücksichtigt werden.

Mihai Mateescu

Mihai Mateescu

Editorial Director beim Electricianul Magazine

Mihai Mateescu ist technischer Autor und Redakteur in den Bereichen Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Beleuchtung, Energiesysteme und Gebäudeautomation. Er ist Editorial Director und Chefredakteur von Electricianul, einem rumänischen Fachmagazin für Fachleute, Unternehmen, Institutionen und Entscheidungsträger aus der Elektro-, Energie- und Gebäudetechnikbranche. Seine Veröffentlichungen behandeln unter anderem Beleuchtung, Solarthermie- und Photovoltaiksysteme, Energiespeicherung, elektrische Sicherheit und gebäudebezogene Technologien.

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