Verschaffen Sie sich in kurzer Zeit einen aktuellen Überblick der rasanten Entwicklungen aus den Branchen der intelligenten Gebäudetechnik. Die Inhalte sind auf Ihre Interessen individualisierbar, neutral aufbereitet und von Expert*innen für Expert*innen.
Das Hotel der Zukunft definiert sich nicht mehr nur über flauschige Handtücher oder ein digitales Check-in-Terminal, sondern über das Gebäude selbst: Es muss mitdenken.
Intelligente Gebäudetechnik entwickelt sich in der Hotellerie vom Hintergrundgewerk zum strategischen Wettbewerbsfaktor.
Steigende Energiekosten, ESG-Anforderungen, Fachkräftemangel und digitale Gästeerwartungen erhöhen den Druck auf Betreiber, Investoren und Planer.
Multifunktionale Flächen wie Lobby, Co-Working-Zonen und Eventbereiche erfordern adaptive Systeme für Lüftung, Klima, Akustik und Energieeinsatz.
Projektsteuerung wird zur zentralen Schnittstelle, weil TGA, IT, PMS, Schließsysteme, Sensorik und Gebäudeleittechnik frühzeitig koordiniert werden müssen.
Smarte Hotelimmobilien entstehen nur, wenn Design, Gebäudetechnik und Betriebsprozesse von Beginn an integriert geplant werden.
Angesichts explodierender Energiekosten, strenger ESG-Vorgaben von Investoren und dem akuten Fachkräftemangel wird intelligente Gebäudetechnik (TGA) vom reinen Hintergrundgewerk zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Ein modernes Hotel ist heute ein hochkomplexes, datengetriebenes Smart Building.
„Die Ansprüche an Hotels sind heute viel professioneller als noch vor zehn Jahren.“
An diesem Standard muss sich die Hotellerie weltweit messen. Die Branche steht vor enormen wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen. „Die Ansprüche an Hotels sind heute viel professioneller als noch vor zehn Jahren“, bestätigt Gesa Rohwedder, Head of Hospitality beim Beratungsunternehmen Drees & Sommer. Das Unternehmen agiert weltweit an 80 Standorten mit mehr als 6.500 Mitarbeitenden. „Die gestiegenen Ansprüche kommen nicht nur von den Gästen, sondern auch von den professionellen institutionellen Investoren, die das Fundament der Branche bilden.“ Eine zukunftssichere Gebäudeautomation und Digitalisierung spielen dabei die Hauptrolle. Rohwedder, die viele Jahre selbst Luxus-Hotels geführt hat, empfiehlt dringend: „Diese technischen Komponenten müssen heute viel früher aufeinander abgestimmt werden.“ Damit aus vernetzter Komplexität wirtschaftlicher Erfolg wird, braucht es eine strategische Projektsteuerung als Bindeglied zwischen Smart-Building-Vision und realer baulicher Umsetzung.
Hotelbau: Wenn Lüftung und Akustik dynamisch werden
Foto: 25hours
Früher war Hotelausstattung ein klassisches Objektgeschäft. Die Haustechnik lief starr im Hintergrund. Heute ist das Hotel ein dynamisches, durch das „Internet of Things“ (IoT) vernetztes Ökosystem.
Dieser technologische Wandel prägt die Architektur, zumal klassische Neubauten seltener werden. Die Revitalisierung von Bestandsgebäuden dominiert den Markt. „Es gibt immer mehr Umnutzungen“, so Rohwedder. Trends wie Co-Working und Co-Living verschmelzen dabei mit dem klassischen Hotelbetrieb – und das fordert die Gebäudetechnik massiv heraus. „Die Lobby ist inzwischen eine Mischung aus Check-in und Co-Working-Zone, abends legt dort ein DJ auf. Das beste Beispiel hierfür ist die Marke 25hours Hotels“, erklärt die Expertin. Diese multifunktionale Nutzung von Flächen bedeutet für die technische Gebäudeausrüstung (TGA), dass sie adaptiv sein muss . Heizung, Klima, Lüftung (HKL) und Akustiksysteme müssen über smarte Sensoren in Echtzeit auf unterschiedliche Personendichten und Nutzungsarten reagieren, um Energie nicht sinnlos zu verschwenden.
Projektsteuerer als Dirigent der intelligenten Haustechnik
Foto: Dacharlie
Mit dieser Aufrüstung zum Smart Building verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer Bauphysik, Elektrotechnik und IT. Wer sorgt dafür, dass das Property Management System (PMS) fehlerfrei mit Raumthermostaten, IoT-Präsenzmeldern, digitalen Schließsystemen und der übergeordneten Gebäudeleittechnik kommuniziert? Klassische Planungsstrukturen scheitern oft an diesen hochkomplexen Schnittstellen.
Hier übernimmt der Projektsteuerer die Führungsebene. Er muss verstehen, wie Hardware und Software im Gebäude ineinandergreifen. Gesa Rohwedder betont diese proaktive Rolle: „Ein Projektsteuerer muss von Anfang an mit allen Beteiligten, auch dem Investor, an einem Tisch sitzen und viele Fragen stellen: Wie sieht es mit dem Schallschutz aus? Was ist mit der Klimaanlage oder der Sprinkleranlage? Das muss früh festgelegt und sauber orchestriert werden.“ Dabei gilt es, das Zusammenspiel aus Qualität, Kosten und Zeit konsequent durchzusetzen. „Man muss auch mal unpopulär sein“, so Rohwedder. Wird beispielsweise der Systemintegrator für die Gebäudeautomatisierung zu spät in den Bauablauf eingebunden, drohen bei der Inbetriebnahme erhebliche Verzögerungen, Kommunikationsfehler zwischen den Systemen und teure Nachträge.
Licht und Klima: Unsichtbare Integration der Technik
Ein entscheidender Erfolgsfaktor im modernen Hospitality-Design ist die optische Unsichtbarkeit der Technik. Der Gast erwartet maximalen digitalen Komfort und ein perfektes Raumklima, möchte aber nicht von technischen Bedienelementen überfordert werden.
Ein passendes Beispiel hierfür ist das moderne Licht- und Raummanagement. Human Centric Lighting (HCL), das sich dem natürlichen Biorhythmus des Menschen anpasst, erhöht die Aufenthaltsqualität im Hotelzimmer spürbar. Wird der physische Lichtschalter an der Wand zum intuitiven Smart-Home-Interface, das auch motorisierte Vorhänge steuert, die Temperatur absenkt und den „Bitte nicht stören“-Modus direkt an die Software des Housekeepings funkt, verschmelzen TGA und Gastkomfort. Die Projektsteuerung stellt sicher, dass solche integrierten Bus-Systeme bereits im Rohbau durch entsprechende Kabelwege, Serverkapazitäten und Platzplatzierungen berücksichtigt werden.
Digital Guest Journey trifft auf Bestandsmauern
Foto: MengWen Guo
Das Herzstück der Digitalisierung für den Gast ist die „Seamless Experience“. Online-Check-in und der „Mobile Key“ auf dem Smartphone werden zügig zum neuen Branchenstandard. Wenn diese IT sauber mit der Gebäudetechnik verknüpft ist, „erwacht“ das Zimmer bereits im Hintergrund: Die Heizung fährt hoch und das Licht geht an, sobald der Gast per App eincheckt. Das ist auch ein wirtschaftlich notwendiger Schritt: „Das Prinzip der klassischen Rezeption mit mehreren Rezeptionisten ist schlicht veraltet. Es gibt heute hervorragende Lösungen für den digitalen Empfang und digitale Schlüssel. Damit lassen sich rund 30 Prozent der Personalkosten einsparen“, rechnet Rohwedder vor.
Die Umsetzung dieser intelligenten Infrastruktur birgt jedoch Hürden, da der Markt von Bestandsobjekten dominiert wird. „Baugenehmigungen dauern ohnehin lange, aber vor allem der Denkmalschutz kann manchmal noch während des laufenden Umbaus unerwartet auftauchen“, schildert Rohwedder die Praxis. Historische dicke Mauern, die WLAN- und Funksignale von IoT-Sensoren abschirmen, oder statische Vorgaben erschweren das nachträgliche Einziehen von Leitungen und erfordern hochflexible Ingenieurskonzepte.
Fazit: Ganzheitliche Vernetzung sichert die Zukunft
Zukunftssichere, ESG-konforme und rentable Hotelimmobilien entstehen nicht durch das isolierte Abarbeiten einzelner Handwerksleistungen. Der wirtschaftliche Erfolg hängt fundamental davon ab, wie frühzeitig smarte Gebäudetechnik, Design und operative Betriebsprozesse miteinander verzahnt werden. Die moderne Projektsteuerung ist dabei längst kein reines Kontrollorgan für Termine mehr. Sie ist der strategische Katalysator, der intelligente Haustechnik in rentable, funktionierende und am Gast orientierte Realitäten übersetzt.