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Stromversorgung im Wandel: Neue Perspektiven für Notstromaggregate in Gebäuden

25.08.2026

Notstromaggregate werden zunehmend Teil vernetzter Energie- und Gebäudesysteme. Für Gewerbegebäude, Rechenzentren und kritische Infrastrukturen rücken Hybridisierung, Digitalisierung und Emissionsminderung in den Mittelpunkt.

Lesedauer: 6 Minuten

  • Der globale Genset-Markt wächst weiter, verändert aber gleichzeitig seine Struktur: Diesel bleibt dominant, während gasbetriebene Aggregate schneller zulegen. 
  • Für Gebäude und kritische Infrastrukturen werden Gensets zunehmend zu einem Bestandteil vernetzter Energie- und Gebäudemanagementsysteme. 
  • Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Dezentralisierung und neue Geschäftsmodelle treiben die Transformation der Branche. 
  • Die Nachfrage konzentriert sich auf Rechenzentren, Gewerbegebäude, Gesundheitsbauten und andere energieintensive Anwendungen. 
  • Für Hersteller werden Hybridisierung, digitale Services, lokale Partnerschaften und emissionsärmere Lösungen zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen.

Der globale Markt für Stromerzeugungsaggregate, auch Gensets genannt, tritt in ein Jahrzehnt ein, das weniger von Kapazitätsausbau als von tiefgreifendem Wandel geprägt sein wird. Für Gewerbegebäude und kritische Infrastrukturen ist diese Entwicklung besonders relevant: Aggregate werden zunehmend in vernetzte Energie- und Gebäudemanagementsysteme eingebunden, statt lediglich als isolierte Notstromlösung zu fungieren.

Nach Analysen von Frost & Sullivan wird der weltweite Genset-Markt von rund 18,37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 28,17 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035 wachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 4,4 Prozent. Hinter diesem kontinuierlichen Wachstum steht jedoch ein grundlegender Wandel: Technologiemix, Geschäftsmodelle und Wettbewerbsregeln der Branche verändern sich gleichzeitig.

Stetiges Wachstum, aber veränderte Marktstruktur

Auch die Stückzahlen entwickeln sich positiv. Weltweit werden 2025 rund 416.600 Aggregate abgesetzt; über den Prognosezeitraum hinweg steigt das Volumen mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 4,0 Prozent. Im Basisjahr liegt das Wachstum bei 5,3 Prozent. Dieselaggregate bleiben das Fundament der Branche: Sie stehen 2025 für 82,8 Prozent des Umsatzes und sollen bis 2035 einen Marktwert von 23,09 Milliarden US-Dollar erreichen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 4,3 Prozent. Die stärkere Dynamik liegt jedoch bei gasbetriebenen Aggregaten. Ihr Umsatzanteil beträgt 2025 17,1 Prozent und soll bis 2035 auf 5,08 Milliarden US-Dollar wachsen, was einer CAGR von 4,9 Prozent entspricht. Dieselaggregate werden 2035 zwar weiterhin 64,6 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. Der Wandel verläuft damit schrittweise, aber eindeutig.

Für Gebäudebetreiber ist diese Entwicklung vor allem im Zusammenhang mit einer resilienten Energieversorgung relevant. Steigende Anforderungen an Gewerbeimmobilien, Gesundheitseinrichtungen und Rechenzentren machen die Notstromversorgung zunehmend zu einem Baustein einer umfassenderen Strategie, die Verfügbarkeit, Emissionsaspekte und digital gesteuerte Betriebsabläufe verbindet.

Gensets: Umsatzprognose nach Brennstoffarten, global, 2025, 2030 und 2035

Grafik - Gensets: Umsatzprognose nach Brennstoffarten, global, 2025, 2030 und 2035

Regional entwickeln sich Umsatz und Absatzvolumen unterschiedlich. Nordamerika wird 2035 voraussichtlich einen Umsatzanteil von 30,8 Prozent erreichen, während China und die ASEAN-Staaten zusammen auf 26,4 Prozent kommen. In reifen Märkten wird für Zuverlässigkeit und regulatorische Konformität gezahlt, in aufstrebenden Märkten steht dagegen die Erweiterung des Zugangs zu Strom im Vordergrund.

Die Treiber der Transformation

Frost & Sullivan identifiziert vier zentrale Kräfte, die den Markt verändern: Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Dezentralisierung und neue Geschäftsmodelle. Sie zeigen sich bereits in der Praxis, auch darin, wie die Energieversorgung größerer Gebäude und kritischer Einrichtungen geplant, überwacht und gesteuert wird.

Erneuerbare Energien sollen bis 2030 45 Prozent des globalen Strommixes ausmachen. Dadurch verändert sich die Rolle des Gensets: Vom eigenständigen Stromerzeuger wird es zunehmend zu einem ausgleichenden Baustein in hybriden Systemen. Hybride Architekturen, die Aggregate mit Solarenergie und Speichern kombinieren, werden bereits eingesetzt, um den Kraftstoffverbrauch zu senken und die Laufzeiten in netzfernen Anwendungen zu verlängern. Auch in Gewerbegebäuden und Rechenzentren können vergleichbare Ansätze dabei helfen, Eigenerzeugung, Speicher und Notstromkapazitäten integriert zu betrachten.

Parallel dazu ermöglichen IoT-gestützte Fernüberwachungssysteme vorausschauende Wartungshinweise, Echtzeit-Analysen zur Anlagenleistung und Erkenntnisse zur Optimierung des Kraftstoffverbrauchs. Für Facility- und Energiemanager gewinnen diese vernetzten Funktionen ebenfalls an Bedeutung, weil sie die Transparenz über kritische Energieanlagen erhöhen. Emissionsärmere Motoren sowie die Kompatibilität mit Erdgas und Biodiesel positionieren Gensets als Übergangstechnologie zwischen konventioneller Stromerzeugung und einer nachhaltigeren Energieversorgung.

Der Wettbewerb ist weiterhin moderat intensiv. Mehr als 50 Anbieter erwirtschaften Umsätze von über 10 Millionen US-Dollar, den Großteil der Marktanteile hält jedoch eine kleine Gruppe globaler Marktführer, darunter Caterpillar, Cummins, Generac Power Systems und Rehlko. Ihre strategischen Prioritäten ähneln sich: Emissionskonformität, digitale Integration, Kraftstoffflexibilität und hybride Diesel-Solar-Systeme.

Wo die Nachfrage entsteht: Büros, Gewerbegebäude und Rechenzentren

Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf energieintensive Gebäude und digitale Infrastruktur. In Rechenzentren, Gesundheitseinrichtungen und Bürogebäuden zählt der Energieverbrauch über alle betrachteten Zeithorizonte hinweg, von den kommenden ein bis zwei Jahren bis zum nächsten Jahrzehnt, zu den wesentlichen Wachstumstreibern für die Genset-Industrie. Der steigende gewerbliche und industrielle Energiebedarf stützt die Nachfrage nach Aggregaten mit mehr als 300 kW. Zugleich treiben 5G, Edge Computing sowie wachsende Anforderungen an Datenspeicherung, Sicherheit und Geschwindigkeit Investitionen in Rechenzentren.

Nordamerika verdeutlicht diese Konzentration besonders klar. Rechenzentren stehen 2025 für rund 27,6 Prozent des regionalen Umsatzes mit Dieselaggregaten und für 25,4 Prozent des Umsatzes mit Gasaggregaten. Damit sind sie der größte einzelne Umsatztreiber im Gas-Segment der Region. Bürogebäude tragen weitere 6,5 Prozent zum Gas- und 3,5 Prozent zum Dieselumsatz bei. Der US-Markt soll von 4,93 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 7,73 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035 wachsen, bei einer CAGR von 4,6 Prozent. Treiber sind eine breite industrielle Basis und der Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Regionen. In Europa dominierte traditionell die industrielle Nachfrage. Rechenzentren entwickeln sich jedoch zu einem ernstzunehmenden Herausforderer beim Umsatz und werden die Industrie noch vor Ende des Jahrzehnts überholen. Das Wachstum kommt sowohl von Hyperscale- als auch von modularen Rechenzentren. In China stimuliert der Ausbau von Cloud- und Colocation-Kapazitäten im Zuge von KI-Anwendungen die Nachfrage nach Aggregaten mit mehr als 300 kW, insbesondere oberhalb von 1 MW. Investitionen in Gewerbe, öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur stützen gleichzeitig die Nachfrage nach Anlagen über 500 kW.

Für Hersteller bedeutet dies, dass die Produktanforderungen breiter statt enger werden. Hyperscale-Standorte benötigen leistungsstarke, ausfallsichere Aggregate. Edge- und Micro-Facilities fragen kompakte, modulare Lösungen nach. Büro- und Gewerbegebäude brauchen leisere, emissionsärmere Systeme, die städtebauliche Vorgaben und Nachhaltigkeitsziele erfüllen. Entscheidend für die Produktstrategie wird zunehmend die Fähigkeit sein, diese unterschiedlichen Anforderungsprofile aus einer stimmigen Plattform heraus zu bedienen.

Für Akteure der Gebäudewirtschaft stellt sich vor allem die Frage, wie sich diese Anlagen in eine resiliente und vernetzte Infrastruktur integrieren lassen. Gensets müssen mit Gebäudeleittechnik, Energiemanagementplattformen und weiteren Energieanlagen vor Ort zusammenspielen und Betreibern zugleich verlässliche Statusinformationen sowie klar definierte Wartungsprozesse liefern.

Drei Chancenfelder mit Handlungsbedarf

Cloud-integrierte IoT-Lösungen

Vernetzte Anlagen ermöglichen vorausschauende Wartung, Fernsteuerung und eine optimierte Betriebsführung. Gleichzeitig erhöhen sie die Zahl der Geräte und Plattformen und damit auch die Anforderungen an die Sicherheit. Hersteller sollten mit Cloud-Service-Anbietern bei gehosteten Anwendungen zusammenarbeiten, um neue Funktionen schneller bereitzustellen. Ergänzend können sie Angebote um die Nachverfolgung von Abrechnungsverläufen, Energieverbrauchsprognosen, kontinuierliche Sicherheitsverbesserungen und flexible Nutzungsmodelle erweitern. Auf diese Weise lassen sich einmalige Anlagenverkäufe in langfristige Kundenbeziehungen überführen.

Für Betreiber von Gewerbegebäuden und Rechenzentren können diese Funktionen eine transparentere Überwachung kritischer Energieanlagen ermöglichen und die Abstimmung mit weiteren Facility-Prozessen verbessern.

Strategische Kooperationen für die Markterschließung

Hersteller mit einer starken internationalen Präsenz sind geopolitischen Störungen stärker ausgesetzt als regional fokussierte Wettbewerber. Partnerschaften zwischen globalen und lokalen Akteuren können dieses Risiko verringern. Globale OEMs profitieren von Branchenkenntnissen und der Präsenz vor Ort, lokale Partner von Kapital und Technologietransfer. Kooperationen mit regionalen Komponentenherstellern und etablierten Akteuren in öffentlichen Projekten eröffnen einen praktikablen Weg in neue Märkte.

Innovative Produktentwicklung für Rechenzentren

Rechenzentren zählen weltweit zu den größten und am schnellsten wachsenden Endkundensegmenten. Gleichzeitig erzeugen Edge- und Micro-Facilities Nachfrage nach kompakten, modularen Genset-Lösungen. Hersteller sollten mit Technologieunternehmen und Firmen für den Bau von Rechenzentren zusammenarbeiten, um integrierte Pakete anzubieten. Zudem sollten sie Akquisitionen prüfen, die disruptive Kompetenzen ergänzen, und ihre Forschung zu fortschrittlichen Energiespeichern und Flüssigkühlung ausbauen.

Der strategische Imperativ

Die Genset-Industrie wird wachsen. Entscheidend für die Wertschöpfung wird jedoch sein, wer bei Hybridisierung und Digitalisierung die Führung übernimmt. 

Das Timing ist entscheidend. Frost & Sullivan bewertet die Geschwindigkeit des technologischen Wandels im Genset-Markt mit 7 von 10 Punkten, ein hoher Wert für eine Branche, die häufig als reif wahrgenommen wird. Um das Jahr 2030 werden Dieseltechnologien ihre Reife erreichen. Wettbewerbsvorteile werden sich dann hin zu kraftstoffflexiblen und vernetzten Plattformen verlagern. Das Zeitfenster für Maßnahmen beträgt ein bis drei Jahre, nicht einen vollständigen Produktzyklus.

Diese Verdichtung begünstigt Unternehmen, die schneller handeln können, als es Größe allein ermöglicht. Die Kundenanforderungen differenzieren sich zunehmend zwischen Standby-, Prime-, Hybrid- und digital gesteuerten Anwendungen. Wettbewerbsvorteile liegen daher bei Anbietern, die Emissionskonformität, digitale Services und lokalen Marktzugang verbinden.

Wachstum entsteht nicht länger allein durch zusätzliche Kapazitäten. Es geht darum, ein anpassungsfähiges Modell aufzubauen, das sauberere Kraftstoffe, digitale Services und lokale Umsetzung zu einer stärkeren Wettbewerbsposition verbindet. Für Gewerbegebäude und kritische Infrastrukturen weist derselbe Wandel auf stärker integrierte, vernetzte und transparent gemanagte Notstromsysteme hin.

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Kamal Shah

Associate Partner & Head of DACH Region

Kamal Shah

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