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Nachhaltige Expo City Dubai in Wüstenlandschaft

Vom Expo-2020-Gelände zum Stadtviertel

Wie Expo City Dubai Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung in städtische Realität umsetzt

20.08.2026

Während sich die Expo City Dubai darauf vorbereitet, ihre ersten Bewohner willkommen zu heißen, schlägt das ehemalige Expo-Gelände ein neues Kapitel auf. Was einst ein globales Reiseziel für Millionen von Besuchern war, verwandelt sich nun in einen dauerhaften Stadtbezirk.

Lesedauer: 6 Minuten

  • Expo City Dubai entwickelt sich vom temporären Expo-Gelände zu einem dauerhaften Stadtquartier für Bewohner, Arbeitende und Besucher. 
  • Der Masterplan setzt auf den 15-Minuten-Stadtansatz, gute Fußläufigkeit und hohen Klimakomfort im Außenraum. 
  • Rund 80 Prozent der Infrastruktur der Expo 2020 werden weitergenutzt, was Abriss, Abfall und Emissionen reduziert. 
  • Digitale Zwillinge und integrierte Monitoring-Systeme unterstützen Energie-, Wasser- und Betriebsoptimierung im gesamten Stadtbezirk. 
  • Neben ökologischen und wirtschaftlichen Zielen spielt soziale Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle, etwa durch Nachbarschaftsangebote, öffentliche Räume und ein Gefühl von Zugehörigkeit.

Durch adaptive Umnutzung, klimagerechtes Design, intelligente Technologien und ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele will das Projekt der Expo City Dubai aufzeigen, wie Architektur und Stadtplanung die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in eine funktionierende Stadt integrieren können.

Als die Expo 2020 in Dubai mehr als 24 Millionen Besucher aus aller Welt begrüßte, präsentierte sie eine Vision von Innovation, Nachhaltigkeit und internationaler Zusammenarbeit. Dies passte auch zu den Plänen der Nutzung des Geländes über die sechsmonatige Veranstaltung hinaus. Die Herausforderung bestand darin, eine der weltweit größten temporären Veranstaltungen in einen lebendigen Stadtbezirk zu verwandeln, der für Bewohnerinnen und Bewohner, Arbeitnehmende sowie Besucherinnen und Besucher über Jahrzehnte hinweg nutzbar ist.

Begrüntes Stadtquartier mit moderner Wohnarchitektur in Dubai
©HISM

Heute nimmt dieser Wandel im aufstrebenden Wachstumskorridor von Dubai South Gestalt an. Zwischen dem Al Maktoum International Airport und dem Hafen von Jebel Ali gelegen sowie durch den Dubai Logistics Corridor verbunden, nimmt Expo City eine strategische Lage im Herzen eines der ehrgeizigsten Stadtentwicklungsprojekte der Region ein. Für Ahmed Al Khatib, Chief Development and Delivery Officer bei Expo City Dubai, stellt das Projekt eine Blaupause für ein nachhaltigeres Modell der Stadtentwicklung dar. »Expo City Dubai ist eine integrative, innovationsgetriebene Stadt der Zukunft, die sich der Maximierung ihrer positiven sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen verschrieben hat«, sagt er. »Entworfen nach den Prinzipien der ›15-Minuten-Stadt‹, ist sie ein Vorbild für nachhaltiges Leben und ein Knotenpunkt im Stadtentwicklungsplan ›Dubai 2040‹.«

Das Ziel eine Stadt zu erschaffen, die für den Alltag funktionieren sollte, erforderte ein grundlegendes Umdenken hinsichtlich des ursprünglichen Expo-Geländes. Für Dana Behrman, Direktorin und leitende Stadtplanerin in der Amsterdamer Zentrale von UNS (ehemals UNStudio), bestand die Herausforderung nicht nur in der städtebaulichen Gestaltung, sondern darin, die Funktionsweise des Geländes zu verändern. »Die größte Herausforderung bestand darin, die Logik des Geländes so zu verändern, dass es von einem Veranstaltungsort für Großereignisse zu einem Stadtteil wird, der für den Alltag funktioniert«, erklärt sie. »Besucherströme, Infrastruktur, öffentlicher Raum und Nutzungskonzept mussten sich alle so weiterentwickeln, dass sie nicht mehr nur kurzfristige Spitzenbelastung unterstützen, sondern langfristigen Komfort, Nutzbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit ermöglichen.«

Der Fokus auf Lebensqualität steht im Mittelpunkt von SDG 11, das nachhaltige Städte und Gemeinden fördert. Klimakomfort ist daher zu einem prägenden Element des Masterplans für die Expo City Dubai geworden. In einer Region, in der die Sommertemperaturen bis zu 50 °C erreichen können, hängt die Schaffung fußgängerfreundlicher öffentlicher Räume ebenso sehr von der Umweltverträglichkeit wie von der Anbindung ab.

Arjan Pit, Geschäftsführer von UNS Dubai, sagt, die Straßen der Stadt seien primär auf die Bedürfnisse von Fußgängerinnen und Fußgänger ausgerichtet. »Sie wurde in erster Linie für Fußgänger und Radfahrer konzipiert«, erklärt er. »Es wird dort zwar auch Autos geben, aber bei der Planung stehen wirklich die Menschen, ihr Komfort sowie die Anbindung und die Begehbarkeit im Vordergrund.«

Modernes Geschäftsviertel mit nachhaltiger urbaner Architektur
©HISM

»Die Berücksichtigung klimatischer Gegebenheiten ist in diesem regionalen Kontext von entscheidender Bedeutung, weshalb der Masterplan großen Wert auf den Komfort im Außenbereich legt«, fügt Behrman hinzu. »Dazu gehören sowohl passive als auch aktive Gestaltungsstrategien, die sich in einer kompakten Stadtstruktur, schattigen Fußgängerwegen, der Begrünung und Materialauswahl sowie der sorgfältigen Anordnung öffentlicher Räume widerspiegeln.«

Eines der wichtigsten Ziele des Projekts ist es, sicherzustellen, dass mindestens 70 Prozent der Fußwege durch Bauwerke und Gebäude beschattet werden, um durch die Gestaltung eine Kühlung zu fördern. Unterstützt wird dieser Ansatz durch eine großzügige Baumbepflanzung und Landschaftsgestaltung. Es wurde dabei Wert darauf gelegt zur Bepflanzung einheimische Gewächse zu nutzen sowie Initiativen zur Förderung der Artenvielfalt und komplementäre Freizeitangebote zu entwickeln, die darauf ausgelegt sind, die Verbindung zwischen Mensch und Natur zu stärken. Elemente der übergreifenden Landschaftsstrategie wurden unter Mitwirkung des dänischen Landschaftsarchitekturbüros SLA entwickelt und unterstreichen das Engagement der Stadt für ökologische Resilienz, Wohlbefinden und das Leben im Freien.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal des Projekts ist die adaptive Wiederverwendung. Anstatt abzureißen und neu zu bauen, hat Expo City 80 Prozent der für die Expo 2020 geschaffenen Infrastruktur erhalten. Dieser Ansatz steht in engem Einklang mit SDG 12, das verantwortungsvollen Konsum und die verantwortungsvolle Produktion durch eine effizientere Nutzung von Ressourcen fördert.

»Es ist ein anspruchsvoller Prozess, da die für die temporäre Veranstaltung konzipierte Infrastruktur nicht automatisch für die dauerhafte städtische Nutzung geeignet ist«, sagt Behrman. »Die erste Herausforderung bestand darin, zu ermitteln, was erhalten, modernisiert oder umgenutzt werden könnte, damit die bestehenden Anlagen auch langfristig nutzbar, effizient und wirtschaftlich relevant bleiben.«

Das ursprüngliche Expo-Gelände sollte als nachhaltiger Maßstab für ähnliche Veranstaltungen in der Region dienen. Dazu gehörte auch, das Gelände und viele seiner Bauwerke nach der Veranstaltung als Teil des städtischen Gefüges von Dubai zu nutzen. Laut Dr. Ioannis Spanos, Vizepräsident für Nachhaltigkeit bei Expo City Dubai, bringt die Nutzung der bestehenden Infrastruktur erhebliche ökologische Vorteile mit sich. »Durch die Beibehaltung von 80 Prozent der im Rahmen der Expo 2020 errichteten Infrastruktur werden die mit Abriss und Neubau verbundenen Emissionen und Abfälle vermieden und der Wert der bereits LEED-zertifizierten Gebäude erhalten«, sagt er.

Über die adaptive Umnutzung hinaus hat Expo City einen Weg zur Netto-Null-Bilanz bis 2050 festgelegt, mit Zwischenzielen zur CO₂-Reduzierung von 45 Prozent bis 2030 und 80 Prozent bis 2040. Diese Verpflichtungen unterstützen direkt das SDG 13, Klimaschutz, und tragen zu den umfassenderen Nachhaltigkeitszielen der Vereinigten Arabischen Emirate bei. »Die Senkung des Verbrauchs hat Priorität«, sagt Spanos. »Es gibt ein stadtweites Planungskonzept, das darauf abzielt, den Energiebedarf der Gebäude um etwa 30 Prozent und den Wasserverbrauch um etwa 50 Prozent, im Vergleich zu internationalen Standards, zu senken. Erzielt wird dies durch lückenlose Überwachung und kontinuierliche Optimierung.«

Auch die Technologie spielt eine zentrale Rolle. Ein digitaler Zwilling der Stadt und integrierte Überwachungsplattformen tragen dazu bei, die Energie-, Wasser- und Betriebsleistung im gesamten Stadtbezirk zu optimieren. Diese Maßnahmen unterstützen das SDG 9, das sich auf Industrie, Innovation und Infrastruktur konzentriert. »Eine ›Smart City‹ ist nicht einfach nur eine Stadt mit mehr Technologie«, sagt Behrman. »Es ist eine Stadt, in der digitale Systeme dazu beitragen, die Lebensqualität, Effizienz, Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit auf eine Weise zu verbessern, die für die Menschen, die diesen Ort täglich nutzen, von Bedeutung ist.«

Pit ist der Ansicht, dass der langfristige Erfolg von Expo City nicht nur von der Umweltbilanz abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, sinnvolle soziale Beziehungen zu fördern. »Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, dass der Zusammenhalt in den Stadtvierteln gewahrt bleibt, dass sich die Menschen nicht einsam fühlen und dass zwischenmenschliche Beziehungen gefördert werden«, sagt er. »Schulen, Einrichtungen in der Nachbarschaft, Cafés, Restaurants und öffentliche Räume spielen alle eine wichtige Rolle dabei, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen.«

Der Schwerpunkt auf sozialer Nachhaltigkeit steht in engem Einklang sowohl mit den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung als auch mit dem übergeordneten Ziel von Expo City, eine Gemeinschaft zu schaffen, in der sich die Menschen nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Leben entscheiden – und damit dazu Kontakte zu knüpfen und langfristig Wurzeln zu schlagen.

Während sich die ersten Bewohnerinnen und Bewohner auf ihren Einzug vorbereiten, wird Expo City zu mehr als nur dem Vermächtnis einer Weltausstellung. Es entwickelt sich zu einem Fallbeispiel dafür, wie Architektur, Stadtplanung und Technologie zusammenwirken können, um messbare soziale, ökologische und wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen.

»Der wahre Maßstab für den Erfolg wird der Stolz und die Verbundenheit sein, die jeder empfindet, der Teil von Expo City ist«, sagt Al Khatib. »Wenn ein Stadtteil die Gesundheit und Lebensqualität seiner Bewohner aktiv in den Vordergrund stellt, engagieren sich die Anwohnerinnen und Anwohner für dessen Zukunft und werden zu aktiven Verfechtern seines Fortbestands, der Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft und einer nachhaltigen Lebensweise.«

In diesem Sinne dient Expo City nicht einfach der Umnutzung eines Veranstaltungsgeländes für einen neuen Zweck. Es zeigt vielmehr, wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung in den Alltag einer Stadt integriert werden können.

Masterplan für nachhaltige Stadtentwicklung in Expo City
©UNStudio
Begrünte Wohnquartiere mit moderner Architektur in Dubai
©Hansinok
Luftansicht der nachhaltigen Expo City Dubai
©Hansinok
Catherine Belbin

Catherine Belbin

Redakteurin + Verlegerin – Catherine Belbin Communications

Catherine Belbin ist eine britische Redakteurin und Verlegerin sowie Gründerin von Catherine Belbin Communications, einem in Dubai ansässiges Studio, das hochwertige Bildbände und Publikationen nach Maß für Architekten und Designer gestaltet und herausgibt. Mit über 30 Jahren Erfahrung hat sie weltweit führende Persönlichkeiten, visionäre Architekten und führende Designer interviewt. Im Jahr 2002 war Catherine Konzeptentwicklerin und Gründungsredakteurin von „identity“ – dem ersten Magazin für zeitgenössisches Design und Architektur im Nahen Osten. Sie trug dazu bei, die kreative Stimme der Region zu definieren, und rief die „id Design Awards“ ins Leben. Zu Beginn ihrer Karriere war sie als Büroleiterin und Auslandskorrespondentin für „Gulf News“, die führende Tageszeitung der Vereinigten Arabischen Emirate, tätig und berichtete über wichtige gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und gestalterische Themen weltweit. Catherine ist als Redakteurin bei World Architects tätig und war kürzlich Mitglied der Jury der FRAME Awards. Ihre Artikel erschienen außerdem bei MSNBC, in der „International Herald Tribune“ und in zahlreichen Designpublikationen.

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