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Die Vergangenheit soll man nicht schönreden. Das gilt besonders für den Bausektor, der seit einigen Jahren eine tiefgreifende Transformation durchmacht. Manche mögen zwar meinen, dass die Gebäude, die früher gebaut wurden, doch wunderbar funktioniert haben. So einfach aber darf man es sich nicht machen. Nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen auch der Anspruch an das, was man als eine sinnvolle bautechnische Maßnahme bezeichnen kann. Das betrifft besonders den Umgang mit der Energie, die zum wertvollen und teuren Gut geworden ist und die es deshalb einzusparen gilt. Die gute Nachricht ist: Im Gebäudesektor gibt es einige Hebel, mit denen dies erreicht werden kann. Bereits simple Maßnahmen können einiges bewegen, etwa die Ausgestaltung der Gebäudekubatur, die Anordnung und Größe der Fenster oder auch die Dichtigkeit eines Gebäudes, um unkontrollierte Energieverluste durch die Gebäudehülle zu vermeiden. All dies sind ureigene Aufgaben von Architektinnen und Architekten, die über den richtigen Entwurf und die hochwertige Planung Gebäude schaffen können, bei denen vieles richtig gemacht ist, um Energie zu sparen.
Energieeffiziente Geräte
Doch es geht noch mehr. Die Gebäudetechnik wird immer energieeffizienter, intelligenter und smarter. Begonnen hat diese Entwicklung zart mit den Umweltschutzbewegungen der 1980er-Jahren, als sich manche Hersteller immerhin Gedanken darüber machten, wie ihre Geräte mit weniger Energie den gleichen Output liefern können. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, in der es viele neue und gute Ideen zur Markt- und Serienreife geschafft haben. Eines jedoch ist für lange Zeit geblieben: Die Ideen bezogen sich allermeist nur auf das jeweilige Gerät oder allenfalls das System, sodass Innovationen immer nur eine Insellösung blieben. Immerhin, manche Geräte konnten zumindest auf ihre Umgebung mit einer gewissen Intelligenz reagieren, statt einfach nur stur einem vorgegebenen Programm zu folgen. So konnten etwa Heizungs- oder Lüftungsanlagen über Sensoren im Raum die Raumluftqualität ermitteln und entsprechend nachsteuern. Das hat – den Umständen entsprechend – gut funktioniert, immerhin ließen sich so sogar Gebäude nach Passivhausstandard errichten. Doch diese rein reaktive Art der Steuerung hat ihre natürlichen Grenzen. Spätestens dann, wenn der Mensch das System konterkariert.
Smarte Kommunikation
In den alten Denkmustern ist Nachhaltigkeit im Gebäudesektor also allenfalls die Summe einzelner Optimierungen: effizientere Leuchten, moderne Heiztechnik oder intelligente Sicherheitslösungen. Gebäude aber sind komplexe und dynamische Systeme. Energieverbrauch, Nutzerverhalten und technische Infrastruktur beeinflussen sich gegenseitig und permanent. Wird beispielsweise eine Beleuchtungsanlage ausschließlich nach Effizienzkriterien geplant, ohne Präsenzdaten, Tageslichtverlauf, Wetterdaten oder Nutzungsszenarien einzubeziehen, bleibt ihr Potenzial begrenzt. Wirkliche Nachhaltigkeit entsteht heute durch Systemlogik. Sensoren erfassen Bewegung, Helligkeit, Temperatur und Luftqualität, Energiemanagementsysteme analysieren Lastprofile, Sicherheitsanlagen registrieren Nutzungsmuster. Viele dieser Daten existieren sogar bereits und müssen nur noch adäquat zusammengefügt werden. Der Fokus verschiebt sich also: weg von reinen Kennzahlen und hin zur Vernetzung der Komponenten im gesamten Gebäude. Nicht die Effizienz einzelner Geräte entscheidet über die Nachhaltigkeit eines Gebäudes, sondern die Qualität ihrer Interaktion.
Entscheidend dabei ist die Frage, ob und wie technische Systeme miteinander agieren können. Systeme wie KNX, BACnet, Bluetooth Mesh und andere können hier die Grundlage für ein übergeordnetes Energiemanagementsystem bilden. Wichtig ist deshalb, dass sich die einzelnen Geräte mit diesen Netzwerken verknüpfen lassen, und zwar herstellerübergreifend in offenen Systemarchitekturen. Das fiel der Branche bisher mitunter schwer, doch die Erkenntnis zu einer möglichen Zusammenarbeit setzt sich mittlerweile durch. Nachhaltigkeit ist letztlich eben ein Mannschaftssport – auch unter Konkurrenten.
Systemlogische Nachhaltigkeit
Das Ziel sind Gebäude, die intelligent und unbemerkt Nachhaltigkeit erzeugen. Die Vernetzung darf dabei kein Zusatz-Feature sein, sondern die infrastrukturelle Grundlage. Das schließt auch das Nutzerverhalten ein, das zwar mitunter unberechenbar, durch digitale und lernende Systeme aber durchaus handhabbar ist. Räume sollen sich den Menschen anpassen, nicht umgekehrt. Ein intelligentes System stellt sich selbst ein, bevor der Mensch einen Schalter betätigen muss. Echte Nachhaltigkeit ist intuitiv und bedarf keines IT-Experten. Und sie ist ein dynamischer Prozess, der im täglichen Betrieb stattfindet. Wer heute also in vernetzte Gebäudemanagementsysteme investiert, baut nicht nur verantwortungsvoll, sondern sichert sich einen wertvollen Platz in einer smarten Immobilienwelt, in der Nachhaltigkeit kein Zufall, sondern durch Systemlogik bewusst geplant ist.