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Das gesellschaftliche Bild des gläsernen Gebäudes ist von Ambivalenz geprägt. Lassen sich die Aspekte Effizienz und Sicherheit mit Privatsphäre vereinbaren oder gehen sie automatisch mit Überwachung einher? In einer Zeit, in der Sensorik, Datenplattformen und KI zunehmend Teil der gebauten Umwelt sind, gilt es, diese Entwicklung kritisch zu hinterfragen.
Was wird sichtbar? Wer sammelt Daten? Welche Intention steht hinter der Auswertung? Zur differenzierten Beantwortung der Frage nach dem Spannungsfeld von Transparenz und Überwachung bedarf es individueller, situationsbedingter Einzelfalleinschätzungen. Entscheidend ist dabei, wie Daten erhoben, verarbeitet und kommuniziert werden.
Transparenz in Form von Sicherheitsmanagementsystemen mit Videoüberwachung oder physischer Zutrittskontrolle bedeutet nicht automatisch Überwachung, sondern kann auch Prozesse und Abläufe sichtbar machen und den Alltag wesentlich erleichtern.
So können Videosysteme für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum sorgen, indem sie zur frühzeitigen Gefahrenerkennung beitragen, Beweismaterial sichern oder der Abschreckung von Straftaten dienen. Beispielsweise konnte der in Hangzhou, China, ansässige Hersteller Dahua Technology durch den Einbau von 1250 sicherheitstechnischen Geräten in 5000 Busse des öffentlichen Personennahverkehrs im mexikanischen Guadalajara zum Schutz von Fahrern und Passagieren beitragen und Überfällen vorbeugen.
Darüber hinaus können solche Systeme Einzelpersonen schützen – etwa Sicherheitspersonal der öffentlichen Hand und zunehmend bedrohte Personen des politischen Lebens – oder auch als Unterstützung in gesundheitlichen Notfällen dienen.
Auch die Sicherheit von Gebäuden kann durch den Überblick über Zugänge und Bewegungsabläufe gewährleistet werden. Das Sicherheitssystem lässt sich in andere Gebäudesysteme integrieren, sodass auch ein Fernzugriff möglich ist. Dahua Technology setzte dies in einer Vielzahl von Regierungsgebäuden oder Banken um, etwa bei der BMCI in Marokko.
Doch die gesellschaftlichen Bedenken sind nicht unbegründet. Ethisch problematisch wird es, wenn Grenzen verwischen: Wenn aus Effizienz oder Sicherheitsmaßnahmen Leistungsprofile oder Verhaltenslenkung werden. Die geltende Rechtsprechung und eine datenschutzkonforme Umsetzung spielen in diesem Aushandlungsprozess eine zentrale Rolle, setzen bislang jedoch meist nur Mindeststandards. Wie also lässt sich ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Problematik finden?
Hier eröffnen sich verschiedene Lösungsansätze wie Datensparsamkeit und Zweckbindung. Dabei werden nur Informationen erhoben, die für den konkreten Zweck notwendig sind. Zusätzlich kann, wo immer möglich, eine Anonymisierung erfolgen – Daten werden entpersonalisiert und auf Gruppen- oder Gebäudeebene ausgewertet. Ferner reduziert die dezentrale Verarbeitung von Daten, ohne diese zu übertragen oder zu speichern, die Missbrauchsrisiken.
Auch eine offene Kommunikation durch Aufklärung über die Maßnahmen hat Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung. Dazu gehört ebenso die Einbindung der Rechte der Nutzerinnen und Nutzer in Form von Widerspruchsmöglichkeiten und Wahlfreiheit.
Mit klaren Regeln, intelligenter Datennutzung und ehrlicher Kommunikation lassen sich Systeme integrieren, die die Privatsphäre achten. Die gläserne Stadt ist damit kein Kontrollraum, sondern ein Aushandlungsraum zwischen Effizienz, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Freiheit. Ein Diskurs, der sich auf der diesjährigen Light + Building erstmals gemeinsam mit Vertretern von Dahua Technology, einem weltweit führenden Anbieter videozentrierter AIoT- (Artificial Intelligence of Things) Lösungen, führen ließe.