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Digitales Sicherheitsschild mit Schloss im Datennetz

Trends in der Sicherheitstechnik 2026

16.01.2026

In einer zunehmend vernetzten Welt verschmelzen isolierte Systeme zu Gesamtlösungen. Diese Entwicklung prägt sämtliche Bereiche der Gebäudesicherheit, von der Zutrittskontrolle über Videosysteme bis zu Analyse- und Automatisierungslösungen.

Lesedauer: 10 Minuten

Dieser Fachartikel beleuchtet aktuelle Trends und Herausforderungen der physischen Sicherheit und zeigt auf, wie die fortschreitende Integration verschiedenster Technologien nicht nur den Schutz von Menschen und Werten verbessert, sondern auch neue Potenziale für betriebliche Effizienz und Resilienz schafft. Ein zukunftsorientierter Blick offenbart dabei, dass die digitale Vernetzung zur zentralen Triebfeder für Innovationen und nachhaltige Sicherheitsstrategien wird.

Trends in der physischen Sicherheit 

Bereits seit vielen Jahren gibt der „State of Physical Security“-Report von Genetec eine umfragebasierte Übersicht darüber, wie technologische Entwicklungen das Verständnis und die Rolle physischer Sicherheit neu definieren. Die Ergebnisse des 2026 Reports verdeutlichen, dass physische Sicherheit heute nicht mehr nur als Schutzmaßnahme für Menschen und Werte gesehen wird, sondern zunehmend als unternehmensweite Funktion, die Resilienz stärkt und messbaren Mehrwert schafft.

Die wichtigsten Erkenntnisse des diesjährigen Reports sind zusammengefasst die folgenden: 

  • Das Interesse an KI-Technologien hat sich bei den Endanwender*innen verdoppelt. Dies führt zu einer erhöhten Nachfrage nach fortschrittlichen Analyse- und Automatisierungstools, die die Effizienz im Betrieb steigern.
  • Hybride Cloud-Modelle gewinnen an Bedeutung, da Unternehmen nach flexiblen und skalierbaren Lösungen suchen.
  • Herausforderungen im Personalbereich bleiben bestehen, werden aber zunehmend durch gezielte Schulungsmaßnahmen und Automatisierung adressiert, um Kompetenzlücken zu schließen.
  • Die Zusammenarbeit zwischen IT, Sicherheitsverantwortlichen und Lösungsanbieter*innen – einschließlich Channel-Partner und Herstellern – ist entscheidend, um neue Risiken zu bewältigen, Entscheidungsprozesse zu verbessern und Sicherheitsdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln.

Auch wenn man einschränkend bemerken muss, dass die Umfrageergebnisse erfahrungsgemäß von eher technologieaffinen und fortschrittlich denkenden Sicherheitsverantwortlichen beantwortet werden, so ist doch festzuhalten, dass die Technologien der physischen Sicherheit sich immer mehr von Insellösungen zu integrierten Systemen weiterentwickeln. Die Umfrage hebt hervor, dass ehemals getrennte Bereiche wie Videoüberwachung und Zutrittskontrolle heute zunehmend miteinander verbunden werden, um die Effizienz der Bediener*innen zu steigern.

Diese Entwicklung umfasst nicht nur die Kernsysteme, sondern auch Visualisierungs- und Optimierungstools, die die operative Leistungsfähigkeit verbessern. Der wahrgenommene Wert solcher Systeme wird immer stärker daran gemessen, wie effektiv sie zur Zielerreichung im Unternehmen beitragen. Erweiterte Funktionen wie Videoanalytik, Einbruchserkennung und Perimeterschutz werden künftig als Standardfunktionen erwartet, nicht mehr als optionale Ergänzungen.

Eine Frage der Integration 

Die Umfrage von 2026 beantwortet die Frage, wie Videoüberwachungs- und Zutrittskontrollsysteme implementiert und integriert sind und zeigt, 31 % der Befragten auf integrierte Systeme setzen, 29 % vollständig vereinheitlichte Lösungen nutzen und 40 % (noch) mit getrennten Systemen arbeiten. Insgesamt nutzen über 60 % der Befragten entweder vereinheitlichte oder integrierte Lösungen. Als wichtigster Grund für den Umstieg auf neue Technologien wurde von 60 % die bessere Integration mit modernen Lösungen genannt. Der Trend geht klar zu vernetzten, fortschrittlichen Systemen, die einen Mehrwert schaffen.

Flexible Cloud-Nutzung 

Viele Organisationen möchten ihre Flexibilität und Leistungsfähigkeit maximieren. Die Befragten erkennen zunehmend, dass sie nicht auf reine Cloud-Lösungen beschränkt sind, sondern das Betriebsmodell wählen können, das zu ihren Anforderungen passt. Das kann eine reine Cloudlösung, ein hybrides System oder eine reine On-Premises-Lösung sein.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Trend zu klar definierten Cloud-Strategien, wobei hybride Modelle bevorzugt werden. Diese verbinden die Skalierbarkeit der Cloud mit der Möglichkeit, sensible Daten und wichtige Workloads lokal zu halten. Häufig werden Systeme in separate Sicherheitszonen unterteilt, um auch bei Ausfällen in der Cloud den Betrieb kritischer Bereiche aufrechterhalten zu können. Das erhöht die Resilienz und gibt Unternehmen mehr Kontrolle über ihre Ressourcen – sowohl in der Cloud als auch vor Ort.

Datenaustausch schafft Mehrwert

Ein weiteres Resultat der Studie ist, dass Teams für physische Sicherheit heute Daten aus unterschiedlichsten Quellen und Sensoren verwalten, die sowohl für die Sicherheit als auch für die gesamte Organisation operative Informationen liefern. Mit der Weiterentwicklung der Systeme wird der Datenaustausch immer wichtiger: Bereits 25 % der Endanwender*innen teilen Sicherheitsdaten mit anderen Abteilungen und profitieren umgekehrt von deren Informationen.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) 

KI verändert die physische Sicherheit grundlegend, indem sie Anomalien besser erkennt, Vorfälle antizipiert und eine schnellere Entscheidungsfindung ermöglicht – vorausgesetzt, die Systeme sind richtig implementiert. Mit dem Aufkommen von KI und großen Sprachmodellen steigt die Nachfrage nach fortschrittlicher Analytik, prädiktiver Überwachung, Automatisierung, KI-basierten Produkten und gezielten Schulungen. Um diese Potenziale zu heben, sind jedoch integrierte Systeme und ein verbesserter Datenaustausch erforderlich.

Die Ziele von Organisationen bei der Integration von künstlicher Intelligenz (KI) variieren. Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse, basierend auf einer Umfrage unter Endnutzer*innen:

Top-Priorität sind automatisierte Handlungen. Das am häufigsten genannte Ziel ist das automatische Auslösen von Ereignissen (55 %). Dicht gefolgt von der Vollautomatisierung repetitiver Aufgaben (48 %).

Jeweils 46 % der Befragten streben danach, Ereignisse automatisch zu filtern/klassifizieren sowie die Einsatzplanung im Notfall zu automatisieren.

Ein bedeutender Teil der Organisationen möchte KI nutzen, um zukünftige Bedrohungen vorherzusagen (34 %) oder potenzielle Verfahrensverbesserungen zu identifizieren (30 %).

Geringere Priorität haben derzeit die Untersuchung von Vorfällen (27 %) sowie das Erstellen von Transkriptionen und Berichten (21 %).

Mit der zunehmenden Einführung von KI steigt der Druck auf Channel-Partner und Hersteller, Lösungen bereitzustellen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. Während Endanwender den Mehrwert von KI für den Betrieb – etwa beim Alarmmanagement oder der Priorisierung wichtiger Ereignisse – erkennen, benötigen sie häufig Unterstützung, um diese Potenziale in der Praxis auszuschöpfen.

Da es bislang noch keine klar herausragenden Lösungen gibt, sind Anwender*innen auf Beratung bei der Produktauswahl und beim Verständnis praxisnaher KI-Anwendungen angewiesen. Für nachhaltigen Erfolg müssen Systemintegratoren und Hersteller eng mit ihren Kunden*innen zusammenarbeiten, verantwortungsbewusst Innovationen vorantreiben und Erwartungen realistisch steuern.

Während der „State of Physical Security“-Report von Genetec vor allem die Frage beantwortet, wie Videoüberwachungs- und Zutrittskontrollsysteme implementiert und integriert sind, werden in zwei weitere Reports die beiden zentralen Komponenten der physischen Sicherheit – Zutrittskontrolle und Videoüberwachung – einzeln betrachtet. Dadurch lassen sich die jeweiligen Entwicklungen, Herausforderungen und Potenziale der beiden Bereiche gezielt herausarbeiten und besser verstehen.

Zutrittskontrolle: Der Schlüssel zur digitalen Identität im Gebäude

Laut einer Studie von Memoori wächst der Markt für Zutrittskontrolle rasant – von 15,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf voraussichtlich 21,3 Milliarden US-Dollar bis 2030. Das prognostizierte Wachstum zeigt, wie essenziell moderne Zutrittslösungen für die intelligente Vernetzung, Automatisierung und nachhaltige Nutzung von Gebäuden geworden sind. 

Die Studie bestätigt genauso wie die oben erwähnte Umfrage, dass immer mehr Unternehmen ihre Sicherheitsplattformen mit Geschäfts- und Arbeitsplatzsystemen integrieren, um Mehrwerte aus Identitätsmanagement, Datenanalyse und effizienter Flächennutzung zu erzielen. Die Studie von Memoori lenkt darüber hinaus den Fokus auf die zukünftige Rolle der Zutrittskontrolle. Sie kann zum Rückgrat digitaler Gebäude werden.

Die Sicherheitstechnik befindet sich im Wandel: Physische Zutrittskontrollsysteme (PACS) entwickeln sich von klassischen Sicherheitswerkzeugen zu zentralen Datenquellen für Belegungsanalysen, Arbeitsplatzoptimierung und die Echtzeit-Steuerung von Gebäuden. Im Zentrum dieser Entwicklung steht der „Identity Graph“ – ein dynamisches Datenmodell, das personen- und berechtigungsbezogene Informationen aus verschiedenen Systemen wie HR, IT, Arbeitsplatzbuchung und IoT miteinander verknüpft. Diese Identitätsarchitektur ermöglicht eine intelligente Orchestrierung von Gebäudefunktionen wie Beleuchtung, Klima oder Aufzügen, die sich an den tatsächlichen Nutzungs- und Berechtigungskontexten orientiert.

Der Identity Graph gewinnt besonders in vernetzten Gebäuden an Bedeutung, da er als Schnittstelle zwischen physischen und digitalen Identitäten fungiert: Er verbindet Mitarbeitende, Besucher*innen und deren Authentifikationsmittel mit Rollen, Zutrittsrechten und Präferenzen und integriert Daten aus unterschiedlichsten Quellen. Nur wenn Systeme in Echtzeit wissen, wer sich wo aufhält und welche Berechtigungen bestehen, können Automatisierung und individuelle Services effizient umgesetzt werden.

Die Daten, die durch Zutrittskontrollereignisse, mobile Authentifizierungen und Besucher-Check-ins generiert werden, sind heute weit mehr als nur Sicherheitsinformationen. Sie werden für die Optimierung der Flächennutzung, die Automatisierung von HLK und Beleuchtung, die Validierung von ESG-Berichten sowie die Koordination von Notfällen genutzt. Branchenforschung zeigt, dass fast die Hälfte aller Organisationen Zugangsdaten für Flächennutzungsentscheidungen einsetzt, während rund ein Drittel ihre Sicherheitsplattformen mit Geschäftssystemen aus dem Bereich Human Resources integriert hat. Besonders in hybriden Arbeitsumgebungen, in denen Anwesenheitsmuster erfasst werden, ist die Zutrittskontrolle zu einem unverzichtbaren Tool für die verlässliche Anwesenheitsdokumentation geworden.

Die zunehmende Software-Definierung und Vernetzung von Gebäuden führt also dazu, dass PACS zum zentralen Integrationspunkt für andere Systeme werden. Plattformen für physisches Identitäts- und Zugangsmanagement (PIAM) steuern den gesamten Lebenszyklus der Identität – vom Onboarding über rollenspezifische Berechtigungen bis zur automatischen Entziehung von Zugriffsrechten. Besuchermanagement, Aufzugsteuerung, Parkraumsysteme und Workplace-Apps sind heute direkt mit Zutrittsplattformen verknüpft und ermöglichen automatisierte, personalisierte Gebäudeservices.

Diese Konvergenz hat einen strategischen Wettbewerb ausgelöst: Wer kontrolliert künftig den Identity Graph? Traditionelle Sicherheitsanbieter öffnen ihre Systeme für zertifizierte Partner*innen und Entwickler*innen, um Innovationen zu fördern. Gleichzeitig integrieren IT- und Workplace-Plattformen wie ServiceNow und Microsoft physisches Zugriffsmanagement in ihre Suiten und positionieren PACS als nachgelagerte Systeme. PropTech-Start-ups und Mieterplattformen integrieren Identitäts-, Berechtigungs- und Belegungsdaten in ihre Anwendungen und drängen klassische PACS-Anbieter in die Rolle von Infrastrukturlieferanten. Der Ausgang dieses Wettbewerbs wird die Branche im kommenden Jahrzehnt prägen.

Die zentrale Frage für die Zukunft lautet also: Bleibt Zutrittskontrolle reine Infrastruktur – zuverlässig, aber austauschbar – oder wird sie zur intelligenten Steuerungsebene, die den Mehrwert aus Identität, Präsenz und Automatisierung schöpft? Die Wahl der richtigen Plattform entscheidet über Integrationsmöglichkeiten, Datenhoheit und Softwareabhängigkeiten für viele Jahre. Gewinner werden jene sein, die erkennen, dass Zutrittskontrolle heute das operationelle Rückgrat digital vernetzter Gebäude und damit zentraler Bestandteil moderner Sicherheitstechnik ist. Die Botschaft an die Hersteller von Zutrittskontrollsystemen aus der Sicherheitsbranche ist klar: Sie müssen sich bei der Weiterentwicklung ihrer Systeme an Open Data Standards orientieren, um im Wettbewerb zu bleiben.

Videoüberwachung: Die Software ist entscheidend

Neben Zutrittskontrollsystemen spielen Videosysteme eine wichtige Rolle in der Sicherheitsarchitektur. Der weltweite Markt für Videoüberwachungsausrüstung und -software verzeichnete 2024 einen Umsatz von 33,8 Milliarden US-Dollar, mit einem Anstieg auf 35,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. 

Bis 2030 wird ein weiteres Wachstum auf 47,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von nahezu 6 %. Diese Entwicklung lasst sich durch einen Wandel der Branche erklären: Weg von rein reaktiven Sicherheitsmaßnahmen hin zu strategischen, auf Intelligenz basierenden Infrastrukturinvestitionen.

Eine Marktanalyse von Memoori zeigt die Gliederung des Marktes in vier zentrale Segmente: Videokamera-Hardware, Software und Analytik, Videospeicherung sowie unterstützende Hardware-Infrastruktur. Allein diese Segmentierung zeigt, dass die Branche zunehmend durch Softwarefunktionen und wiederkehrende Einnahmemodelle geprägt ist. Insbesondere Analytik und Cloud-Services wachsen mehr als doppelt so schnell wie der Verkauf traditioneller Hardware-Komponenten. Selbstverständlich sind solide Hardware, eine einwandfreie Optik  und die Auswahl des geeigneten Kameratyp weiterhin die Basis für eine erfolgreiche Anwendung, die Software und die Rechenleistung der Kameras wird aber immer wichtiger und ist ein entscheidendes Kaufkriterium geworden. 

Ein bedeutender Trend ist der verstärkte Einsatz KI-gestützter Kameras mit Edge Processing. Für 2025 wird erwartet, dass diese Systeme einen erheblichen Anteil der weltweiten Kameraauslieferungen ausmachen. Sie bieten Funktionen wie Objekterkennung, automatische Kennzeichenerfassung, Verhaltensanalyse und datenschutzfreundliche Schwärzung von Aufnahmen. Dadurch wandelt sich die Videoüberwachung von der passiven Aufzeichnung hin zu einer Quelle aktiver, betrieblicher Intelligenz. Diese Intelligenz „on-the-edge“ zu haben erleichtert viele Anwendungen und erweitert die Optionen von klassischen Überwachungssysteme, für sensible Anwendungen im Hochsicherheitsbereich und wo verschiedene Sensoren zur Anwendung kommen - Stichwort Sensor Fusion – ist eine serverbasierte Software- und Analyselösung aber immer noch das Mittel der Wahl. 

Über stationäre Installationen hinaus entwickeln sich Drohnen zu einem wichtigen Erweiterungsfaktor für Überwachungslösungen. Sie ermöglichen die Überwachung von Bereichen, die für fest installierte Kameras kaum zugänglich sind, bieten eine schnelle Einsatzmöglichkeit bei Vorfällen und erlauben die anhaltende Überwachung großer Infrastrukturen, weitläufiger Firmengelände oder auch grenznaher Gebiete. Die Integration von Drohnen mit bodengebundenen Systemen und vernetzten Leitstellen markiert eine grundlegende Erweiterung der Überwachungsarchitektur – von statischen Beobachtungspunkten hin zu dynamischen, mobilen Sensornetzwerken.

Betrachtet man die Kostenseite der Videotechnik, sieht man eine Veränderung der Gesamtkostenbetrachtung (Total Cost of Ownership, TCO). Während früher die Hardware, insbesondere Kameras, den größten Kostenfaktor bei Videoüberwachungssystemen darstellte, haben heute Software, Analytik und Cloud-Dienste die dominierende Rolle bei den Gesamtausgaben übernommen. Dieser Wandel spiegelt die Entwicklung hin zu Abonnementmodellen und softwarebasierten Mehrwertdiensten wider.

Seit vielen Jahren im Trend, aber nach wie vor wichtig, ist die Tendenz, Videosysteme für mehr als nur zur Überwachung einzusetzen. Videoanalytik wird zunehmend genutzt, um sogenannte „betriebliche Intelligenz“ zu generieren. Kameras erfüllen damit nicht mehr ausschließlich Sicherheitsaufgaben, sondern liefern auch wertvolle Erkenntnisse zu Geschäftsprozessen, etwa zum Kundenverhalten, zu Bewegungsströmen oder zur Prozessoptimierung.

Ein Blick auf die Anbieter

Betrachtet man die Gesamtentwicklung der Sicherheitsbranche, reicht ein Blick auf die Trends bei der Technik alleine nicht aus, ein wichtiger Faktor sind die Anbieter für Sicherheitstechnologie. Der eingangs „State of Physical Security“-Report von Genetec analysiert die Erwartungen von Endnutzer*innen an Anbieter von physischen Sicherheitslösungen und kommt zu folgenden Erkenntnissen:

Mit deutlichem Abstand ist die langfristige Lebensfähigkeit und Stabilität des Anbieters für 73 % der Befragten das entscheidende Merkmal.

Nahezu gleichauf folgen die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Produkte (45 %) sowie die Preisgestaltung (43 %).

Für 39 % der Befragten sind Technologien zur Portabilität und Migration wichtig, während 37 % Wert auf flexible Vertragsbedingungen und Ausstiegsstrategien legen.

Etwa ein Drittel der Nutzer*innen bevorzugt es, einen einzigen Anbieter für die meisten Systeme zu nutzen (31 %), während 29 % gezielt nach einer offenen Architektur suchen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für die Mehrheit der Organisationen die Sicherheit einer langfristigen Partnerschaft noch vor der reinen Produktleistung oder dem Preis steht.

Die Rolle von Errichtern und Integratoren

Der grundlegende Wandel der Sicherheitsbranche beschränkt sich nicht alleine auf die Technik, sondern löst auch die traditionellen Rollen zwischen Herstellern, Errichterfirmen und Endkund*innen zunehmend auf. Sicherheitstechnik besteht heute nicht mehr nur aus Hardware und Installation, sondern wird als Teil komplexer, digital vernetzter Systeme begriffen. Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Perimeterschutz basieren nun auf Software, nutzen IP-Technologie und sind eng mit IT-, Cloud- und Identitätsplattformen verknüpft. Dadurch entwickeln sich nicht nur die technischen Lösungen weiter, sondern auch die Anforderungen an Planung, Betrieb und Beratung.

Für Errichter und Integratoren bedeutet das wachsende Herausforderungen: Neben handwerklichem und elektrotechnischem Wissen gewinnen Kenntnisse in Netzwerktechnik, IT-Sicherheit, Softwareentwicklung sowie regulatorisches Know-how an Bedeutung. Gleichzeitig werden Innovationszyklen kürzer, weshalb Endkunden verstärkt Wert auf Zukunftssicherheit, Integration und Compliance legen – neben der reinen Funktionsfähigkeit der Systeme. Gerade kleine und mittelständische Errichter stoßen angesichts dieser Veränderungen oft an ihre Ressourcen-Grenzen, was weniger am Fachwissen als vielmehr an beschränkten Kapazitäten liegt.

Auch bei den Herstellern vollzieht sich ein Wandel: Sie entwickeln sich von reinen Produktlieferanten zu Plattformanbietern und beraten Kunden bereits frühzeitig im Projekt. Durch Cloud-Lösungen, digitale Identitäten und integrierte Ökosysteme erhalten sie einen umfassenden Überblick über Systemzusammenhänge und technologische Entwicklungen. Ihre Nähe zu Endkund*innen ist dabei weniger als Konkurrenz zu den Errichtern zu verstehen, sondern als Antwort auf die gestiegene Komplexität moderner Sicherheitslösungen.

Der Markt bewegt sich somit auf eine neue Arbeitsteilung zu. Hersteller konzentrieren sich stärker auf Architektur- und Systemfragen, während Errichter weiterhin wichtige Partner für die Umsetzung, den Betrieb und den Service bleiben. In den nächsten Jahren werden sich unterschiedliche Profile von Errichtern herausbilden, vom spezialisierten Security-Integrator mit Schwerpunkten in IT und Identitätsmanagement bis hin zum operativen Implementierungs- und Servicepartner. Eine klare Positionierung innerhalb des Sicherheitsökosystems wird künftig entscheidend sein.

Dr. Heiko Baumgartner

Dr. Heiko Baumgartner

Freier Journalist mit Schwerpunkt auf den Bereichen Life Science, Sicherheit und Chemie.

Dank seiner umfangreichen Erfahrung als Publishing Director bei einem führenden internationalen Wissenschaftsverlag und seinem Expertenwissen als Chefredakteur in verschiedenen Fachredaktionen baut Dr. Baumgartner eine Brücke zwischen Innovationen und Technologien sowie deren praktischen Anwendungen.

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