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Moderne Serverracks in Rechenzentrum

AI, Liquid Cooling und die neue Realität von Rechenzentren

10.02.2026

KI und High-Performance-Computing treiben Rechenzentren an thermische Grenzen. Kühlung wird zum strategischen Faktor für Skalierung, Effizienz und Nachhaltigkeit – und entscheidet zunehmend über Leistung und Kosten der digitalen Infrastruktur.

Lesedauer: 2 Minuten

Die globale Rechenzentrumskühlungsbranche tritt in ihre bislang transformativste Dekade ein. Mit dem rasanten Wachstum von KI- und High-Performance-Computing-Workloads steigt der thermische Leistungsbedarf in einem bislang unbekannten Tempo. Kühltechnik, lange als reine Versorgungsinfrastruktur betrachtet, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Enabler digitalen Wachstums.

Frost & Sullivan sieht die Nachfrage nach Kühlleistung strukturell schneller wachsen als die neu entstehende Rechenzentrumskapazität – getrieben durch nächste Chipgenerationen, deren thermische Anforderungen klassische Kühlsysteme überfordern.

KI verändert das thermische Design grundlegend

Durch KI- und Accelerated-Computing-Workloads steigen Rackdichten in den Bereich von 800 Watt bis 1,5 Kilowatt pro Chip. Klassische, raumbezogene Kühlkonzepte stoßen damit insbesondere in Hyperscale-Umgebungen an ihre physikalischen Grenzen. Die Analyse zeigt: Liquid Cooling tritt in eine mehrdekadige Adoptionsphase ein – nicht als kurzfristiger Technologietrend, sondern als strukturelle Marktverschiebung.

Direct-to-Chip-Architekturen treiben diese Entwicklung an. Zwei-Phasen-Immersionskühlung gewinnt vor allem in extrem hochverdichteten Zonen an Bedeutung, in denen luftbasierte Systeme keine ausreichende Wärmeabfuhr mehr leisten können.

Gleichzeitig etabliert sich Close-Coupled Cooling als praktikable Brückentechnologie. Sie ermöglicht gezielte thermische Steuerung für Betreiber, die bestehende Rechenzentren nicht sofort vollständig umbauen können. Raumbezogene CRAC- und CRAH-Systeme bleiben zwar kurzfristig die umsatzstärkste Kategorie, ihr Marktanteil dürfte jedoch bis 2030 spürbar zurückgehen, da neue Architekturen an Bedeutung gewinnen.

Regionale Dynamiken: Ein Markt mit unterschiedlichen Wachstumskurven

Die globalen Kühltrends entwickeln sich zunehmend regional unterschiedlich – mit klaren Auswirkungen auf Markteintritts- und Go-to-Market-Strategien. Frost & Sullivan prognostiziert, dass der Markt für Rechenzentrumskühlung von 10,47 Mrd. USD (2024) auf 52,86 Mrd. USD (2034) wächst, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 17,6 % entspricht.

Grafik: Data Centere Cooling Market

Nordamerika bleibt der Taktgeber für frühe Liquid-Cooling-Adoption. Der Ausbau GPU-dichter KI-Cluster sowie umfangreiche Retrofit-Projekte treiben den Markt. Gleichzeitig fungiert die Region als globales Testfeld für Immersionskühlung und innovative Wärmerückgewinnung.

Europa bewegt sich am schnellsten in Richtung nachhaltigkeitsgetriebener Kühlstrategien. Regulatorischer Druck in Bezug auf Kältemittel, Wasserverbrauch und Energieeffizienz beschleunigt die Einführung von Free Cooling, Wärmerückgewinnung und kältemittelfreien Systemen.

Asien-Pazifik (APAC) ist die wachstumsstärkste Region. Hyperscale-Investitionen in Singapur, Indien, Japan und Australien treiben die Dynamik. Aufgrund der regionalen Vielfalt entsteht ein zweigleisiges Modell: fortgeschrittene Märkte setzen früh auf Liquid Cooling, während aufstrebende Märkte zunächst mit hocheffizienten luftbasierten Systemen skalieren und später umstellen.

Vier zentrale Wachstumsfelder der nächsten Dekade

Die weitere Marktentwicklung wird von vier strukturellen Wachstumsthemen geprägt:

KI-Thermalplattformen und integrierte Kühlarchitekturen

Die Nachfrage nach ganzheitlichen Plattformen steigt, die Steuerungssysteme, Workload-Telemetrie, CDUs, Pumpen und Kältemaschinen integrieren. Hyperscaler verlangen zunehmend KI-fähige thermische Orchestrierung statt isolierter Hardwarelösungen.

Modulare und vorgefertigte Kühlmodule

Zeitdruck, Flächenknappheit und Infrastrukturrestriktionen fördern Plug-and-Play-Kühlblöcke, die schnelle Kapazitätserweiterungen bei reduziertem Engineering-Aufwand ermöglichen. Besonders relevant ist dies in APAC, dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika.

Nachhaltigkeitsgetriebene Kühlkonzepte

Wasserknappheit und strengere CO₂-Vorgaben beschleunigen den Einsatz von Wärmerückgewinnung, Free Cooling und kältemittelfreien Systemen. ESG-basierte Beschaffung wird zum entscheidenden Investitionsfaktor.

Liquid Cooling durch vertikale Spezialisierung

Branchen wie Halbleiterfertigung, wissenschaftliches Rechnen, FinTech und Verteidigung benötigen hochspezialisierte, OEM-integrierte Flüssigkühllösungen. Anbieter mit klarer vertikaler Fokussierung sichern sich hier überproportionale Wettbewerbsvorteile.

Fazit

Kühlung ist kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der digitalen Infrastrukturstrategie. Während KI die thermischen Anforderungen neu definiert und Nachhaltigkeit regulatorische Rahmenbedingungen verschärft, profitieren jene Anbieter, die frühzeitig in integrierte Plattformen, modulare Konzepte und liquid-fähige Architekturen investieren. Sie werden die Wettbewerbsfähigkeit von Rechenzentren in der kommenden Dekade maßgeblich prägen.

Kamal Shah

Associate Partner & Head of DACH Region

Kamal Shah

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