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In denkmalgeschützten Gebäuden gilt es, innovative Technologien wie smarte Steuerungssysteme, vernetzte Sicherheitseinrichtungen und energieeffiziente Lösungen so zu integrieren, dass der Charakter und die Integrität der Architektur gewahrt bleiben.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Die technische Modernisierung denkmalgeschützter Gebäude erfordert mehr als nur bauliche Sensibilität. Sie verlangt strategische Planung und interdisziplinäres Vorgehen entlang folgender zentraler Aspekte:
- Bauliche Restriktionen vs. technische Integration
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass denkmalrechtliche Vorgaben oftmals sichtbare Kabel, Verrohrungen oder Geräte untersagen, die die historische Bausubstanz verändern würden.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, kommen bevorzugt kabellose oder batteriebetriebene Komponenten zum Einsatz, wie beispielsweise bei modernen Zutrittssystemen. Diese Lösungen funktionieren ohne aufwendige Leitungsinstallation, wodurch bauliche Eingriffe auf ein Minimum reduziert und spätere Rückbaumaßnahmen erleichtert werden. Zudem werden Sensoren und Aktoren gezielt an architekturverträglichen Positionen platziert, oft versteckt hinter Verkleidungen oder integriert in bestehende Bauelemente, sodass sie das historische Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen.
- Interoperabilität und Systemoffenheit
Eine weitere Herausforderung ergibt sich daraus, dass die verschiedenen technischen Gewerke wie Sicherheit, Klima, Energie und Zutritt häufig auf eigenen Protokollen und Insellösungen basieren. Zur Lösung dieses Problems werden offene Standards wie BACnet oder KNX in der Gebäudeautomation eingesetzt. Sie ermöglichen eine reibungslose Kommunikation zwischen den Systemen und erlauben eine zentrale Bedienbarkeit selbst bei komplexen Installationen in der Gebäudeautomation. Sinnvoll ist eine Integration sämtlicher technischer und sicherheitsrelevanter Daten in ein zentrales Managementsystem, das eine konsolidierte Übersicht und Steuerung ermöglicht.
- Nutzerflexibilität und dynamische Betriebsprozesse
Die Vielzahl unterschiedlicher Nutzergruppen mit wechselnden Zugangs- und Sicherheitsanforderungen stellt eine besondere Anforderung an die Gebäudetechnik dar, da sie flexible Lösungen erforderlich macht. Webbasierte Verwaltungsplattformen ermöglichen es, Zutrittsrechte zeit- und bereichsbezogen zu steuern und individuell anzupassen. Darüber hinaus lassen sich Betriebsparameter durch die Nutzung von Nutzerprofilen und vordefinierten Szenarien automatisiert anpassen, sodass der Betrieb dynamisch und effizient gestaltet werden kann.
- Betriebssicherheit und Wartung
Die langfristige Wartung technischer Systeme ist insbesondere in denkmalgeschützten Gebäuden mit hohen Kosten und erheblichem Aufwand verbunden. Um eine nachhaltige Betriebssicherheit zu gewährleisten, empfiehlt sich der Abschluss von Wartungsverträgen mit Herstellern oder Anbietern, die auch langfristigen Support und regelmäßige Updates garantieren. Zusätzlich wird häufig auf modulare und leicht ersetzbare Komponenten gesetzt, um Ausfallzeiten und Eingriffe in die Bausubstanz möglichst gering zu halten.
- Datenschutz und Zutrittskontrolle
Bei der Erhebung und Verwaltung von Sicherheits- sowie Zutrittsdaten sind strenge Datenschutzanforderungen zu beachten. Um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und den Schutz sensibler Daten zu gewährleisten, werden verschlüsselte Datenkommunikation und rollenbasierte Zugriffskontrollen implementiert, wie sie beispielsweise bei mechatronischen Schlüsselsystemen zum Einsatz kommen.
Denkmalschutz trifft flexible Gebäudetechnik: Frauenkirche Dresden
Die Frauenkirche in Dresden gehört mit ihrer markanten Kuppel zu den bedeutendsten Bauwerken des Barock. Mit durchschnittlich zwei Millionen Besuchern pro Jahr ist sie ein bedeutender architektonischer, geistlicher und kultureller Anziehungspunkt und ein Wahrzeichen der Stadt Dresden. Doch nicht nur Besucher betreten die Kirche, sondern auch Handwerker, Küster, Reinigungskräfte, der Chor, Organisten, Pfarrer, ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger.
Daher sollte im Rahmen der regulären Instandhaltungsmaßnahmen in den Jahren 2023 und 2024 eine neue elektronische Schließlösung von Assa Abloy eingebaut werden, die den Anforderungen der unterschiedlichen Nutzergruppen entspricht und die bestmögliche Balance zwischen Sicherheit und Flexibilität bietet. Ein weiterer wichtiger Aspekt war es, den Aufwand für die Installation so gering wie möglich zu halten, um den historischen Charakter der Frauenkirche zu bewahren. Am Beispiel dieses stark frequentierten Sakralbaus zeigt sich, dass elektronische Schließsysteme eine zentrale Rolle bei der sicheren und flexiblen Gebäudenutzung übernehmen können. Unterschiedliche Nutzergruppen mit variierenden Zugangsanforderungen machen eine differenzierte, zeit- und bereichsbezogene Zutrittssteuerung erforderlich.
Elektronische Schließzylinder ohne sichtbare Bedienelemente lassen sich unauffällig in bestehende Türsituationen integrieren und erfüllen damit sowohl technische als auch denkmalpflegerische Vorgaben. Die Verwaltung der Schließberechtigungen erfolgt softwaregestützt und ermöglicht eine schnelle Anpassung bei organisatorischen Änderungen. Verlorene Schlüssel können gezielt deaktiviert werden, ohne mechanische Komponenten austauschen zu müssen oder den Betrieb einzuschränken.
Ein wesentlicher Vorteil solcher Systeme liegt in der installationsseitigen Einfachheit. Der Austausch mechanischer Zylinder gegen elektronische Varianten ist ohne zusätzliche Verkabelung möglich, da die Energieversorgung über Batterien im Schlüssel erfolgt. Dadurch wird der bauliche Eingriff auf ein Minimum reduziert, was insbesondere bei historischer Substanz von entscheidender Bedeutung ist. Das Projekt zeigt, dass integrierte elektronische Gebäudetechnik auch im denkmalgeschützten Bestand wirtschaftlich, betriebssicher und substanzschonend realisiert werden kann.
Digitale Gebäudetechnik für nachhaltige Denkmalpflege: Löfstad Castle
Ein Beispiel aus dem internationalen Kontext zeigt, wie digitale Zwillinge und IoT-Sensorik zur Erfassung von Innenraumklima und Temperaturverläufen beitragen können. Am Löfstad Castle in Schweden wurde ein parametrisierter digitaler Zwilling eingesetzt, um umfangreiche Sensordaten zu sammeln und daraus Strategien für Lüftung und Erhalt der historischen Bausubstanz abzuleiten — ein Ansatz, der Zukunftspotenziale für ähnliche Projekte eröffnet.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines parametrischen digitalen Zwillings, der durch den Einsatz von IoT Sensorik, Cloud und Edge Computing sowie semantischen Datenmodellen realisiert wird. In dem beschriebenen Projekt wurden zahlreiche Sensoren zur kontinuierlichen Überwachung von Temperatur, Luftfeuchte und weiteren klimarelevanten Parametern im gesamten Gebäude installiert. Die so gewonnenen Daten ermöglichen eine detaillierte Analyse des Raumklimas und bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen im Bereich Heizung, Lüftung und Feuchteschutz.
Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Feuchteprobleme in unteren Gebäudebereichen ein zentrales Risiko für Bausubstanz und historische Materialien darstellen. Gleichzeitig wird deutlich, dass bestehende natürliche Lüftungskonzepte bei intensiver Nutzung nicht ausreichen, um eine angemessene Innenraumqualität sicherzustellen. Durch die integrierte Betrachtung von Bauphysik, Nutzung und technischer Gebäudeausrüstung können gezielte Maßnahmen wie Dampfsperren oder energieeffiziente Heizstrategien entwickelt werden, die sowohl den Denkmalschutz als auch Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen.
Das Beispiel zeigt, dass Digitalisierungs und Monitoringprojekte über den Einzelfall hinaus übertragbar sind. Modulare, skalierbare und kosteneffiziente Lösungen mit offenen Technologien bieten ein hohes Potenzial für andere denkmalgeschützte Gebäude. Damit leistet integrierte Gebäudetechnik einen wichtigen Beitrag zu einer datenbasierten, nachhaltigen und substanzschonenden Denkmalpflege.
Erfahren Sie mehr zum Wandel in der Nutzung von Sakralbauten und die Profanisierung von Sakralbauten.
Zutrittskontrolle für historische Gebäude: Hamilton House, Dublin
Historische Gebäude sind wertvolle Kulturgüter mit Geschichten, die in ihren Mauern verborgen liegen. Die Herausforderung besteht darin, moderne Sicherheits- und Zutrittssysteme harmonisch in diese architektonischen Schmuckstücke zu integrieren.
Ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit kulturellem Erbe steht im Zentrum von Dublin, das Hamilton House – eines der bekanntesten Architekturdenkmäler der Stadt. Das Haus befindet sich am Schnittpunkt von Leeson Street und Fitzwilliam Place und wurde 1854 im Stil der viktorianischen Gotik erbaut. Sorgfältige Restaurierungen haben seinen Glanz bewahrt und zugleich einen modernen Bürostandard geschaffen. Von Beginn an stand Eleganz im Vordergrund, und Hamilton House gilt seit über 160 Jahren als Symbol besonderer Qualität.
Die Sicherung eines solchen denkmalgeschützten Bauwerks stellt eine besondere Aufgabe dar. Klassische Systeme erfordern aufwendige Kabelinstallationen und invasive Eingriffe, etwa Leitungsverlegungen oder das Bohren durch alte Türen. Diese Methoden können den Charakter gefährden und zu Schäden führen. Aus diesem Grund wurde in Dublin ein modernes Sicherheitskonzept erstellt, das diskret und zuverlässig ist. Es sollte umfassenden Schutz bieten und allen Compliance-Anforderungen genügen, ohne das Erscheinungsbild zu stören. Authentizität sowie die Einhaltung von Notausgangsvorschriften wie EN179 war hier zwingend. Die Nutzung von drahtloser Technologie führte dazu, dass keine aufwendigen oder invasiven Installationsmaßnahmen erforderlich waren, sodass originale Wände, Türen und Oberflächen unberührt bleiben. Moderne drahtlose Schlösser sind sowohl auf Sicherheit als auch auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben ausgelegt. In Dublin verriegelt sich jede Tür nach dem Schließen automatisch und sorgt so jederzeit für ein sicheres Umfeld. Diese Systeme erfüllen die EN179-Norm für Notausgänge und gewährleisten somit im Ernstfall einen sicheren und regelkonformen Fluchtweg. Drahtlose Zutrittssysteme bieten darüber hinaus eine unvergleichliche Flexibilität, da Nutzer problemlos zwischen digitalen Schlüsseloptionen am Smartphone und klassischen Schlüsselkarten oder Transpondern wechseln können.